Deutsches Fernsehen in der Kritik nach Absage eines „antifaschistischen“ Auftritts

Das ZDF erklärte, ein neues Lied von Danger Dan und Igor Levit könne als Aufruf zu Gewalt gegen die extreme Rechte verstanden werden.

Das ZDF steht in der Kritik, nachdem der öffentlich-rechtliche Sender einen geplanten Auftritt mit einem „antifaschistischen“ Lied in einer seiner bekanntesten Satiresendungen abgesagt hat.

Der Sender nahm den Song „Keine Angst“ von Rapper Danger Dan und dem Pianisten Igor Levit aus dem Programm der politischen Comedy-Sendung „Die Anstalt“. Nach Angaben des ZDF könne das Lied, das zu gesellschaftlichem Engagement gegen die extreme Rechte aufruft, als „Aufruf zu Gewalt“ verstanden werden.

Danger Dan, mit bürgerlichem Namen Daniel Pongratz, und Igor Levit sollten den Song vergangene Woche bei der Aufzeichnung der Sendung live präsentieren. Nachdem das ZDF den Auftritt gestrichen hatte, veröffentlichten die beiden Musiker das Lied selbst auf YouTube. Dort entwickelte es sich innerhalb kurzer Zeit zum viralen Erfolg und erreichte Platz eins der deutschen YouTube-Musiktrends.

Das Video ist in kontrastreichem Schwarz-Weiß gehalten und erinnert stilistisch an deutsche expressionistische Filme der 1930er-Jahre. Es zeigt Danger Dan am Klavier, während er in rasantem Tempo verschiedene Vorschläge macht, wie man dem wachsenden Rechtsextremismus in Deutschland entgegentreten könne.

Neben eher unverfänglichen Zeilen wie „Sprecht mit Bars und Kneipen / fragt, ob sie Raum haben für einen Abend / für eine Party gegen die Nazis“ enthält der Song auch die Aufforderung, Rechtsextreme öffentlich zu benennen – etwa durch Flyer und Plakate mit Namen, Adressen und Fotos.

Am Ende des Liedes heißt es: „Es ist offensichtlich, was zu tun ist / ich sage nichts weiter dazu / Grüße an Lina, Gucci, Maja und Nanuk.“ Die Zeile wird als Anspielung auf linke Aktivisten verstanden, die wegen gewalttätiger Angriffe auf Rechtsextreme verurteilt wurden oder sich derzeit vor Gericht verantworten müssen.

Das ZDF begründete die Absage damit, dass der Text „als Aufruf zu Gewalt gelesen werden könne“ und damit gegen die Programmgrundsätze des Senders verstoße. Daraufhin wurde der Auftritt von Danger Dan und Igor Levit gestrichen.

Die Moderatoren von „Die Anstalt“ reagierten mit deutlicher Kritik. Max Uthoff, Claus von Wagner und Maike Kühl bezeichneten die Entscheidung des Senders als „feige“. In der am Dienstag ausgestrahlten Folge, die bereits in der ZDF-Mediathek verfügbar ist, widmen sie mehrere Minuten der Debatte um den Song und vertreten die Ansicht, dass der Sender den Auftritt hätte zulassen sollen.

Auf Instagram erklärten Levit und Danger Dan, das ZDF habe den vollständigen Text bereits Wochen zuvor erhalten und die Rechtsabteilung des Senders habe ihn geprüft und freigegeben. Das ZDF weist diese Darstellung zurück.

Der Deutsche Journalisten-Verband kritisierte die Entscheidung als Eingriff in die redaktionelle Freiheit des Senders. Das ZDF veröffentlichte am Samstag außerdem ein 15-minütiges Video in seiner Mediathek, in dem der Streit um „Keine Angst“ sowie die Argumente für und gegen eine Ausstrahlung erläutert werden.

Die Debatte fällt in eine Zeit wachsender Zustimmung für die Alternative für Deutschland (AfD). Die rechtspopulistische Partei liegt derzeit in bundesweiten Umfragen weit vorne und könnte bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im September stärkste Kraft werden. Kritiker sehen die AfD als Bedrohung für die demokratische Ordnung und fordern ein Verbot der Partei.

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