Taylor Swift über den Umgang mit der öffentlichen Wahrnehmung und ihre Entscheidung, nicht auszusteigen, bevor ihre Karriere „unkontrollierbar groß“ wurde

Der Popstar sprach im Grammy Museum mit Recording-Academy-Chef Harvey Mason Jr. über 20 Jahre ihrer Karriere.

Nach einem ereignisreichen Sommer, in dem sie unter anderem in die Songwriters Hall of Fame aufgenommen wurde, einen neuen Song für „Toy Story 5“ veröffentlichte und natürlich heiratete, machte Taylor Swift Halt im Grammy Museum in Los Angeles, um in einem ausführlichen Gespräch auf ihre Karriere zurückzublicken.

Die Veranstaltung „The Icon Sessions with Taylor Swift: A 20-Year Retrospective“, präsentiert von der Songwriters & Composers Wing der Recording Academy, fand Anfang des Monats statt und wurde am Montag online veröffentlicht. Swift sprach dabei mit Harvey Mason Jr., dem CEO der Recording Academy.

Zu Beginn des Gesprächs fragte Mason Jr. den Superstar, wie sie gelernt habe, ihren Instinkten zu vertrauen, wenn sie ihre Musik mit der Öffentlichkeit teilt. Swift erklärte: „Ich mache Musik, weil ich für die Fans spiele. Ich veröffentliche sie für Menschen, denen sie etwas bedeutet und die Musik nutzen, um mit ihrem Leben klarzukommen – so wie ich es getan habe. Wenn man all diese Punkte durchgeht, erkennt man, dass Musik zu veröffentlichen, die man selbst gemacht hat und die man so sehr liebt, nicht der Weg zu allgemeiner Anerkennung ist. Wenn man es trotzdem weiter macht, dann liebt man es aus den richtigen Gründen.“

Sie fügte hinzu, dass der Umgang mit der öffentlichen Wahrnehmung und die Analyse ihrer Songtexte „manchmal mein Songwriting antreiben. Wenn sich Leute über mich lustig machen, macht es manchmal richtig Spaß, sich über sie lustig zu machen. Manchmal benutze ich einfach gern Wörter, die sie erst nachschlagen müssen, bevor sie über mich herziehen können.“

Swift räumte außerdem ein, dass sie im Laufe der Jahre mehrere „Bewältigungsmechanismen“ entwickelt habe. „Einer davon ist zu sagen: ‚Du hast dich dafür entschieden. Du hast dich jeden Tag dafür entschieden. Du hättest jederzeit aussteigen können, bevor es unkontrollierbar groß wurde‘ – und ich habe mich dagegen entschieden, weil ich es so sehr liebe. Und genau da beginnt und endet es. Alles, was damit einhergeht, ist es letztlich wert, solange ich weiterhin Musik machen darf.“

Das Gespräch drehte sich auch um mehrere ihrer Alben, darunter ihre „Reputation“-Ära. Swift beschrieb diese als „eine Zeit in meinem Leben, in der Menschen – zum allerersten Mal, aber nicht zum letzten Mal – wirklich aktiv versucht haben, mich grundsätzlich falsch zu verstehen und absichtlich falsch zu interpretieren, was ich sagen wollte.“

Mit Blick auf das 2017 erschienene Album sagt Swift heute: „Wenn ich heute darauf zurückblicke, bin ich sehr stolz darauf. Am meisten stolz bin ich auf die Momente, in denen ich etwas durchgemacht habe, das mich fast in den Wahnsinn treiben sollte – und ich es nicht zugelassen, sondern Kunst und Musik genutzt habe, um mich daraus zu befreien. Auf solche Momente bin ich im Rückblick besonders stolz.“

An anderer Stelle erklärte Swift, dass sie „keine große Moodboard-Künstlerin“ sei und sich normalerweise erst ganz am Ende für die Ästhetik eines Albums entscheide. Sie bezeichnete sich selbst als „Bekenntnis-Songwriterin“, fügte aber hinzu: „Ich glaube, es ist wichtig klarzustellen, dass nicht jede schockierende Enthüllung über sich selbst tiefgründig ist. Nur weil man etwas Dramatisches, Schockierendes und Wildes sagt, bedeutet das nicht automatisch, dass es Menschen hilft, sie berührt oder eine wichtige Geschichte erzählt, die in ihren Köpfen, Herzen und Seelen hängen bleibt.“

„Wir müssen bewusst vorgehen. Man kann nicht einfach etwas völlig Verrücktes herausschreien und sagen: ‚Ich bin eine Songwriterin, die ihr eigenes Leben in ihrer Musik verarbeitet‘“, fuhr sie fort. „Aus genau demselben Grund sollten Details nicht einfach nur dekorativ sein. Wir sollten mit solchen Dingen nicht wahllos umgehen, sondern dafür sorgen, dass sie etwas bedeuten.“

Swift sprach auch über den Prozess ihrer „Taylor’s Version“-Neuaufnahmen. „Am Anfang fühlte es sich an, als hätte der Hund tatsächlich meine Hausaufgaben gefressen und ich müsste jetzt alles noch einmal machen. Und dann steht man vor dem Lehrer und sagt: ‚Der Hund hat meine Hausaufgaben gefressen.‘ Die Öffentlichkeit und die Medien reagierten anfangs ähnlich skeptisch – schließlich war so etwas vorher noch nie in dieser Form und schon gar nicht in diesem Ausmaß gemacht worden. Es war also ein ungewöhnlicher Ausgangspunkt. Ich musste mich erst von dem Gedanken lösen, dass alle sagen würden, das würde nicht funktionieren und niemand würde meine neue Version der alten Songs hören wollen.“

Zum Abschluss sprach Swift über ihre frühen Jahre als Country-Star und sagte: „Je weiter ich auf diesem Weg vorankomme, desto mehr liebe ich meine Country-Wurzeln. Ich möchte sie immer mehr würdigen und fühle mich den Menschen, die mich als Künstlerin und Songwriterin geprägt haben, zunehmend verbunden und verpflichtet. All das begann in Nashville.“

Den jungen Songwritern im Publikum gab sie schließlich einige Ratschläge mit auf den Weg: „Ich hoffe, ihr setzt euch auch dann an die Arbeit, wenn euch die zündende Idee einmal nicht zufliegt. Seid nicht die Person, die im Raum ständig die Ideen anderer abschmettert, aber selbst nichts beizutragen hat. Denkt an das ‚Ja, und …‘ aus der Improvisation – daran, dass man eine Idee aufgreift und weiterspinnt. Das gilt für eure Aufnahmesessions genauso wie fürs Leben. Und vergesst nicht: In der Musikbranche, so verrückt und unberechenbar sie auch sein mag, kann Begeisterung euch durch vieles tragen. Ich muss es wissen.“

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