„Verflucht normal“: Ein Film, der berührt, aufklärt – und lange nachhallt

„Verflucht normal“ erzählt die wahre Geschichte eines Mannes mit Tourette-Syndrom – berührend, humorvoll und authentisch. Eine Filmkritik über Mut, Akzeptanz und eine herausragende Hauptrolle von Robert Aramayo.

Schon wenige Minuten nach Beginn merkt man, dass „Verflucht normal“
(I Swear) kein klassisches Drama über Krankheit oder Ausgrenzung sein möchte. Der Film erzählt die Geschichte von John Davidson mit so viel Wärme, Ehrlichkeit und Humor, dass man gleichzeitig lachen, schlucken und mitfühlen muss – oft alles innerhalb derselben Szene. Regisseur Kirk Jones erzählt darin die wahre Geschichte von John Davidson, der in den 1980er Jahren im Vereinigten Königreich mit dem Tourette-Syndrom aufwächst und sich seinen Platz in einer Gesellschaft erkämpfen muss, die oft nicht weiß, wie sie mit Menschen umgehen soll, die „anders“ sind.

John Davidson (Robert Aramayo) hat Schwierigkeiten mit der Polizei | Foto: Wild Bunch Germany

Was den Film so besonders macht, ist seine Balance. Verflucht normal ist lustig, traurig, unangenehm und wunderschön zugleich. Es gibt Szenen, in denen man als Zuschauer kurz innehält und sich fragt, ob man eigentlich lachen darf. Denn vieles wirkt von außen betrachtet absurd komisch – während man gleichzeitig weiß, wie belastend und schmerzhaft diese Zwangsstörung für Betroffene sein kann. Genau diese Unsicherheit macht der Film greifbar. Und vielleicht ist genau das eine seiner größten Stärken: Er zeigt, wie menschlich es ist, manchmal nicht sofort zu wissen, wie man reagieren soll.
Dass der echte John Davidson sowie die Filmemacher selbst dem Publikum diesen Raum geben, spürt man in jeder Szene. Der Film urteilt nicht. Er erklärt nicht permanent. Er lässt Situationen einfach passieren – ehrlich, roh und emotional.

John (Robert Aramayo) bei Gericht | Foto: Wild Bunch Germany

Besonders beeindruckend ist dabei Robert Aramayo in der Hauptrolle. Seine Darstellung ist so authentisch, dass man kaum glauben kann, dass er selbst nicht vom Tourette-Syndrom betroffen ist. Aramayo liefert eine Performance ab, die ohne Übertreibung oscarreif wirkt – voller Sensibilität, körperlicher Präzision und emotionaler Tiefe.

Gerade bei dieser Produktion war Authentizität jedoch ein sensibles Thema. Menschen mit Tourette können Tics voneinander übernehmen oder verstärken, weshalb ein Hauptdarsteller mit Tourette für die Produktion selbst zu einer enormen Belastung hätte werden können. Gleichzeitig wurde großer Wert auf echte Repräsentation gelegt: Von rund 90 Mitwirkenden im Film leben etwa 30 tatsächlich mit dem Tourette-Syndrom. Manche Szenen konnten deshalb nur in ein oder zwei Takes gedreht werden, weil wiederholte Tic-Auslösungen für die Betroffenen zu belastend gewesen wären.

John Davidson (Robert Aramayo) erklärt Tourette
| Foto: Wild Bunch Germany

Umso beeindruckender ist das Ergebnis – auch angesichts der Produktionsgeschichte hinter dem Film. Regisseur Kirk Jones und seine Frau haben ihr eigenes Haus beliehen, um den Film finanzieren zu können. Dieser Glaube an die Geschichte ist spürbar. Ebenso wie die Liebe zum Detail, die das gesamte Team trotz begrenzter Mittel auf die Leinwand gebracht hat. Besonders das Setdesign wirkt erstaunlich hochwertig und atmosphärisch für ein Projekt mit vergleichsweise kleinem Budget.

Verflucht normal fühlt sich echt an. Menschlich. Nahbar. Und er schafft etwas, das nur wenige Filme schaffen: Er bringt einen zum Lachen und bricht einem gleichzeitig das Herz.
Ein Film, den man gesehen haben sollte. Nicht nur, weil er aufklärt, sondern weil er bewegt.

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