President Curtis wird offiziell Teil des „Rick and Morty“-Universums.
Der erfahrene Schauspieler Keith David leiht dem titelgebenden Präsidenten in „President Curtis“, dem neuen „Rick and Morty“-Spin-off, seine Stimme. Die Serie feierte am Sonntag auf Adult Swim Premiere – direkt im Anschluss an das Finale der neunten Staffel der Hauptserie. Stephanie Beatriz und Jim Rash ergänzen die Besetzung des Projekts, das sich um den Präsidenten der Vereinigten Staaten und sein exzentrisches Team dreht, das sich mit den unterschiedlichsten außergewöhnlichen Krisen auseinandersetzen muss.
Keith David sprach Präsident Andre Curtis erstmals 2015 in einer Episode der zweiten Staffel von „Rick and Morty“ und kehrte seitdem regelmäßig für Gastauftritte zurück.
Co-Schöpfer James Siciliano erinnert sich, dass die Idee für ein Spin-off ganz natürlich entstand, als das Autorenteam an der Thanksgiving-Folge der fünften Staffel arbeitete, in der Rick versucht, für einen Truthahn eine präsidentielle Begnadigung zu erwirken.
„Damals haben wir angefangen, eine viel klarere Welt für Curtis zu sehen – mit Spinnen-FDR, dem französischen Auftragskiller, der sich in der Freiheitsstatue versteckt, und diesem ganzen National Treasure-Einschlag“, erzählt Siciliano, der seit Jahren zum Autorenteam von „Rick and Morty“ gehört. „Wir merkten, dass man daraus eine Art Akte X-Universum entwickeln könnte, das sich deutlich genug von der Welt von Rick and Morty unterscheidet.“
Siciliano und Mitentwickler Dan Harmon erinnern sich außerdem daran, dass das Autorenteam zunächst überlegte, welche Eigenschaften reale US-Präsidenten so unvergesslich gemacht haben. Harmon sagt, dass ihn persönlich Harry S. Truman schon immer fasziniert habe, während andere Autoren Theodore Roosevelt – und natürlich Donald Trump sowie Barack Obama – ins Spiel brachten.
„Gespräche über Obama und Trump waren unvermeidlich“, gibt Harmon zu. „Curtis hat eine gewisse Naivität, die man mit Trump vergleichen könnte: jemand, der sagt: ‚Ich komme von außen, halte diesen Job für ziemlich einfach und kümmere mich nicht um die ganze Bürokratie.‘ Von Obama stammt eher dieses Charisma – jemand, der ehrlich Freude daran hat, gemocht zu werden. Dieses ganze Rockstar-Image eben. Aber letztlich haben wir vor allem die legendärsten Eigenschaften früherer Präsidenten genommen, sie wie bei Serpentor zusammen in ein Reagenzglas geworfen und daraus unsere Version eines Fantasy-Präsidenten erschaffen – vielleicht so etwas wie Martin Sheens Präsident in The West Wing, mit all seinen Stärken und Schwächen.“
Fans, die auf Gastauftritte von Rick und Morty gehofft haben (leichte Spoiler voraus), können beruhigt sein: Das Duo ist tatsächlich in der Pilotfolge zu sehen. Danach tauchen die beiden in der ersten Staffel allerdings nicht mehr auf.
Immerhin steht bereits fest, dass „President Curtis“ weitergeht. Auf der San Diego Comic-Con wurde am Samstag bekannt gegeben, dass das Spin-off frühzeitig um eine zweite Staffel verlängert wurde.
„Hätten wir Rick und Morty nicht in die Pilotfolge eingebaut, hätten die Zuschauer die ganze Zeit darauf gewartet“, erklärt Siciliano. „In Staffel eins ist das ihr einziger Auftritt. Das heißt aber nicht, dass sie künftig nicht wieder auftauchen können. Wir wollten der Serie zunächst die Chance geben, ihre eigene Identität zu entwickeln und etwas Luft zum Atmen zu haben, damit sie als eigenständige Serie wahrgenommen wird.“
Harmon stimmt zu:
„Wenn die Serie erst einmal auf eigenen Beinen steht, dann können wir völlig im Dick-Wolf-Stil durchdrehen und ständig Crossover machen – so wie Detective Munch überall in Law & Order: SVU auftauchte. Aber dieses Recht müssen wir uns erst verdienen.“
Der Start von „President Curtis“ erfolgt nur wenige Wochen, nachdem „Rick and Morty“ seine dritte Emmy-Nominierung als beste Animationsserie erhalten hat. Die Serie gewann den Preis bereits 2018 und 2020.
Die diesjährige Nominierung hat für Harmon eine besondere Bedeutung, nachdem die Serie turbulente Jahre hinter sich hat. Serien-Miterschaffer Justin Roiland verließ die Produktion nach Anklagen wegen häuslicher Gewalt. Die Vorwürfe wurden später fallen gelassen, dennoch wurde Roiland entlassen und seine Rollen neu besetzt: Ian Cardoni übernahm die Stimme von Rick Sanchez, Harry Belden spricht seitdem Morty.
„Diese Nominierung bedeutet uns unglaublich viel, weil die Serie schwierige Übergänge durchmachen musste“, sagt Harmon offen. „Für mich fühlt es sich an wie ein Sportler, der nach einer schweren Verletzung wieder auf dem Spielfeld steht. Allein nominiert zu sein, ist bereits eine große Ehre. Mehr brauche ich gar nicht. Ich gehe auch gerne zur Verleihung und sehe zu, wie Smiling Friends gewinnt oder wer auch immer am Ende gewinnt – ich bin einfach nur dankbar für die Nominierung.“
„President Curtis“ ist möglicherweise nicht die einzige Erweiterung des „Rick and Morty“-Universums. Wie The Hollywood Reporter kürzlich berichtete, befindet sich Jacob Hair, der leitende Regisseur der Serie, in Gesprächen mit Warner Bros., um einen animierten „Rick and Morty“-Kinofilm zu inszenieren.
Zwar gibt es bislang noch kein fertiges Drehbuch, doch Harmon verrät, dass es bereits „eine technisch gesehen abgesegnete Idee gibt, an der wir gedanklich herumspinnen.“
Er erzählt außerdem, dass er sich erst kürzlich erstmals Denis Villeneuves „Dune“-Filme angesehen habe – ausgerechnet wegen der Arbeit am möglichen Film:
„Ich habe die Dune-Filme erst jetzt gesehen, weil wir mit dem Rick and Morty-Film herumexperimentieren. Und ich dachte nur: ‚Mein Gott, ich bin so spät dran mit Dune.‘ Die Filme sind einfach unglaublich.“
Zu seiner Vision für einen möglichen „Rick and Morty“-Kinofilm sagt Harmon:
„Mein Ziel wäre – so selbstzerstörerisch das auch klingen mag –, den besten Film aller Zeiten zu machen. Das macht das Schreiben wahrscheinlich nicht gerade einfacher. Es wäre vermutlich ein Science-Fiction-Epos, das Zeit und Raum übersteigt, aber auf eine Weise, die sich nicht unbefriedigend anfühlt. Wahrscheinlich würde der Film so unterschiedliche Einflüsse miteinander verbinden wie Lethal Weapon 2, Dune: Part Two, Indiana Jones und alles Mögliche dazwischen. Man könnte durchaus argumentieren, dass genau so ein Projekt mein Untergang und vielleicht auch der des gesamten Franchise wäre. Denn mir die Freiheit zu geben, über solche Dinge nachzudenken, ist erfahrungsgemäß nicht unbedingt das Erfolgsrezept, das sich die Leute vorstellen. Traditionell ist das eher der Anfang eines Weges direkt in die Hölle.“

