Eine selbstbewusste Entscheidung, die Odysseus alle Ehre machen würde.
Stattdessen wird der Film nach seiner Weltpremiere am 6. Juli in London direkt Pressevorführungen für professionelle Filmkritiker erhalten.
Damit geht Universal einen anderen Weg als viele Studios, die versuchen, den professionellen Kritiken zuvorzukommen. Üblicherweise laden sie Blogger von Fanseiten und Influencer schon vorab zu großen Filmstarts ein und erlauben ihnen anschließend, oft sehr begeisterte Kurzrezensionen in den sozialen Netzwerken zu veröffentlichen.
Ob solche Word-of-Mouth-Vorführungen stattfinden, entscheiden Studios zwar grundsätzlich von Fall zu Fall. Für große Blockbuster, die ein breites Publikum ansprechen sollen, sind sie inzwischen jedoch nahezu Standard.
Universals Entscheidung fällt zudem in eine Zeit, in der viele Fans sensibler für die enge Zusammenarbeit zwischen Marketingabteilungen der Studios und Influencern geworden sind.
So wurde Disney kürzlich dafür kritisiert, dass der The Mandalorian & Grogu-Darsteller Pedro Pascal in einer viralen Werbeaktion eine Gruppe von Fans im Disneyland überraschte. Online wurde die Szene so präsentiert, als sei Pascal zufällig regulären Parkbesuchern begegnet.
Auch die ausgesprochen positiven Influencer-Reaktionen auf Warner Bros.‚ „Supergirl“ – darunter Aussagen wie „der beste Blockbuster des Sommers!“ – stießen in Teilen des Internets auf deutliche Skepsis. Die später veröffentlichten professionellen Kritiken fielen wesentlich zurückhaltender aus; auf Rotten Tomatoes erreicht der Film derzeit lediglich 59 Prozent.
Universal hatte zuletzt für „Disclosure Day“ Influencer-Vorführungen veranstaltet, die überwiegend sehr positiv aufgenommen wurden. Ein besonders häufig geteilter Kommentar – „Spielbergs bester Film seit 20 Jahren“ – wurde von Kritikern des Films später verspottet und sogar in einigen professionellen Rezensionen aufgegriffen.
Noch ist es zu früh, um zu sagen, ob Film-Influencer tatsächlich an Einfluss verlieren. Sollte Universals Entscheidung, bei „The Odyssey“ auf solche Vorabvorführungen zu verzichten, jedoch große Aufmerksamkeit erhalten, könnten andere Studios diesem Beispiel künftig häufiger folgen – als selbstbewusstes Signal, dass sie keine künstlich erzeugte Euphorie benötigen. Umgekehrt könnten Studios, die weiterhin auf Influencer-Screenings setzen, zunehmend den Eindruck erwecken, sie wollten die tatsächliche Qualität eines Films verschleiern.
„The Odyssey“ startet am 17. Juli in den Kinos.
Der Film erzählt die Geschichte des griechischen Helden Odysseus, dessen lange, entbehrungsreiche und von fantastischen Ereignissen geprägte Heimreise nach dem Trojanischen Krieg zurück in das Königreich Ithaka. Dort kämpft er darum, seine Ehefrau und seinen Sohn zu retten.
Die Hauptrolle übernimmt Matt Damon als Odysseus. Zur weiteren Besetzung gehören Tom Holland als dessen Sohn Telemachos, Anne Hathaway als Penelope, Charlize Theron als die Nymphe Kalypso sowie Robert Pattinson als Antinoos, ein schleimiger Freier Penelopes, der die Königin heiraten und selbst Herrscher von Ithaka werden möchte. Außerdem spielen John Leguizamo den treuen Diener Eumaios und Jon Bernthal den spartanischen König Menelaos, den Bruder von Agamemnon.

