„South Park“ ist zurück – allerdings unter einem neuen Namen. Die langlebige Comedyserie startete am Mittwochabend auf Comedy Central in ihre 29. Staffel, nachdem die Macher Trey Parker und Matt Stone angekündigt hatten, die Serie vorübergehend in „South America“ umzubenennen. Was zunächst wie ein Marketing-Gag wirkte, ist zugleich ein Seitenhieb auf US-Präsident Donald Trump.
Die erste Folge der neuen Staffel erklärt nicht, wann und warum die fiktive Stadt in Colorado ihren Namen geändert hat. Stattdessen beginnt die Handlung zu einem Zeitpunkt, an dem die Umbenennung bereits akzeptiert ist. Die Bewohner sprechen ganz selbstverständlich von „South America“, ohne die neue Bezeichnung weiter zu hinterfragen. Nur einmal wird die Namensänderung selbst angesprochen – und dabei wird deutlich, dass sie in der Stadt für Diskussionen gesorgt hat.
„Inspiriert vom Mut und Patriotismus von Apple und Google ändern wir den Namen von ‚South Park‘ in ‚SOUTH AMERICA‘“, erklärten Parker und Stone am 8. September in einer Stellungnahme.
Fans, die auf eine Szene gehofft hatten, in der Trump per Dekret einen See umbenennt und anschließend auch South Park auf die neue Bezeichnung bringt, wurden enttäuscht. Stattdessen ist die Namensänderung bereits Teil der Welt der Serie. Der Witz wird nicht weiter erklärt, sondern einfach als neue Realität etabliert.
Die Staffeln 27 und 28 hatten sich deutlich vom bisherigen Format der Serie entfernt. Statt einzelner, voneinander unabhängiger Geschichten erzählten sie eine fortlaufende Handlung rund um das Weiße Haus. Dazu gehörte auch eine fiktive Affäre zwischen Präsident Trump und Satan. Die neue Staffel scheint nun wieder zum traditionellen Aufbau zurückzukehren: eigenständige Episoden, die trotzdem größere gesellschaftliche Themen aufgreifen können.
Ob die satirische Trump-Figur und die dazugehörigen Charaktere aus dem Kabinett, dem Umfeld des Präsidenten und Vizepräsident J.D. Vance endgültig verschwunden sind, bleibt offen. In der ersten Folge der neuen Staffel spielen sie jedenfalls keine Rolle. Die Handlung bleibt vollständig in der titelgebenden Stadt.
Im Mittelpunkt steht diesmal eine Geschichte, die auf den ersten Blick deutlich alltäglicher wirkt. Eric Cartman täuscht vor, in der Schule gemobbt zu werden, um seine Mutter dazu zu bringen, ihm ein E-Bike zu kaufen. Das für Erwachsene gedachte Fahrzeug ist in der Stadt inzwischen das große Statussymbol unter den Kindern. Fast jeder möchte eines haben.
Cartmans Mutter Liane gibt schließlich nach. Kurz darauf terrorisiert ihr Sohn die Stadt mit seinem neuen Gefährt. Schon bald schließen sich weitere Kinder an. Sie rasen durch die Straßen, fahren in Restaurantscheiben und erschrecken Passanten. Aus den E-Bikes wird eine Art Jugendgang, die zunehmend außer Kontrolle gerät.
Die Geschichte ist dabei deutlich mehr als eine weitere absurde Cartman-Episode. Die Kinder stehen sinngemäß für Einwanderergruppen, die in amerikanische Städte kommen und dort für Unruhe sorgen – zumindest aus der Perspektive der satirischen Darstellung.
Auch Kyle versucht früh in der Folge, seine Mutter mit einem ähnlichen Trick zum Kauf eines E-Bikes zu bewegen. Dafür muss er allerdings erst seinen Vater Randy überzeugen. Der kommt in auffälligem Spandex und neuen Sportschuhen nach Hause. Er ist inzwischen begeisterter Rennradfahrer und nutzt den Fahrradstreifen, der zunehmend von den E-Bike-Kindern eingenommen wird.
Randy gründet daraufhin eine Gruppe von Rennradfahrern, die jeden aus dem Weg räumt, der sie behindert. Besonders schnell sind die Männer allerdings nicht. Ein Autofahrer beschwert sich über die „alten Säcke“, die die Straße blockieren.
Trotzdem wird Randys Gruppe zu einer Art satirischem Gegenstück zur US-Einwanderungsbehörde ICE. Die Erwachsenen ziehen durch die Stadt und versuchen, die E-Bike-Kinder ausfindig zu machen und zu vertreiben.
Die Folge nimmt außerdem Unternehmen und Personen aufs Korn, die sich in Trumps Amerika an die politischen Veränderungen angepasst haben. Google wird mehrfach bemüht, um Fragen zu beantworten wie „Wie kann man die Gesetze in South America ändern?“ Die Antwort lautet: Man besticht Regierungsbeamte. Auf die Frage, wie die Polizei mit Bandenkriminalität in South America umgehen könne, lautet die Antwort: mit extremer Gewalt.
Auch die große Vorfreude auf „Grand Theft Auto VI“ wird zum Gegenstand der Satire. Das Videospiel soll im November erscheinen und dient in der Folge als eine Art Ersatz für die bevorstehenden Zwischenwahlen. Die liberalen Bewohner von Trumps Amerika hoffen auf eine Veränderung im November.
„Hoffentlich wird im November alles besser. Dann kommt Grand Theft Auto Six heraus“, sagt eine Figur. Die Lösung für das Problem mit den Kindern scheint entsprechend einfach: Jemand muss dafür sorgen, dass sie von den Straßen verschwinden und wieder zu Hause an ihren Handys sitzen.
Mit der neuen Folge setzen Parker und Stone auf eine andere Form der politischen Satire als in der vergangenen Staffel. Die grotesken Geschichten aus dem Weißen Haus sind vorerst verschwunden. Stattdessen verpackt die Serie ihre Kommentare zu Einwanderung, Politik und gesellschaftlichen Veränderungen in eine vermeintlich harmlose Geschichte über E-Bikes.
Offen bleibt, ob die Macher diesen Handlungsstrang über die gesamte Staffel hinweg fortsetzen werden oder ob in den kommenden Folgen wieder andere Themen in den Mittelpunkt rücken. Sicher ist nur, dass „South Park“ auch in seiner neuen Form nicht darauf verzichtet, aktuelle politische Entwicklungen aufzugreifen – diesmal allerdings mit etwas mehr Abstand zum Weißen Haus.

