David Ellison nach Warner-Übernahme: „Ihr werdet uns definitiv originelle Geschichten erzählen sehen“
Im August vergangenen Jahres herrschten auf dem Paramount-Gelände strenge Sicherheitsvorkehrungen, als David Ellison die Presse zu einem Meet-and-Greet empfing und sich als frischgebackener Medienmogul präsentierte.
Weniger als 14 Monate später wiederholte sich die Szenerie. Dieses Mal ging es allerdings um deutlich größere Dimensionen: Ellison stellte die zusätzlichen Hollywood-Assets vor, die er sich mit der am Dienstag vollzogenen, 110 Milliarden Dollar schweren Übernahme von Warner Bros. Discovery gesichert hat. Damit stehen er und sein Team nun an der Spitze traditionsreicher Marken und Unternehmen wie dem Warner Bros. Filmstudio, HBO, CNN und DC.
Sie ergänzen Paramount Pictures, Paramount+, CBS und zahlreiche Kabelsender, die bereits unter Ellisons Kontrolle stehen. Seine Skydance-Gruppe erreicht damit eine Größenordnung, mit der sie nach Ellisons Überzeugung mit Netflix und Disney konkurrieren kann – auch wenn das Unternehmen gleichzeitig Schulden in Höhe von 80 Milliarden Dollar trägt.
Ellison kündigte an, dass die fusionierten Unternehmen künftig mehr Geld für Inhalte ausgeben wollen als jedes andere Unternehmen weltweit.
„Mehr als Disney, mehr als Netflix“, sagte er.
Nicht nur Franchises
Auf die Frage, wie sich angesichts der hohen Verschuldung kreative Risiken und originelle Stoffe finanzieren lassen, verwies Ellison auf Warner Bros.‘ Sinners, den er als seinen Lieblingsfilm des Jahres 2025 bezeichnete. Skydance werde sich künftig nicht ausschließlich auf Franchises konzentrieren – jenes Geschäft, mit dem Ellison als Produzent besonders erfolgreich geworden ist –, sondern auch auf Geschichten setzen, die das Publikum noch nicht gesehen habe.
„Ihr werdet uns definitiv originelle Geschichten erzählen sehen“, sagte Ellison.
Nicht Teil der neuen Skydance-Führung sind Mike De Luca und Pam Abdy. Die bisherigen Filmchefs von Warner Bros. verantworteten unter anderem Sinners und weitere große Erfolge, standen allerdings auch hinter riskanten Flops wie dem am vergangenen Wochenende gestarteten Diggers. Dana Goldberg und Josh Greenstein von der Skydance Motion Picture Group werden künftig beide Filmstudios verantworten.
Warner Bros. und Paramount sollen kreativ eigenständig bleiben
Ellison, Sohn des Oracle-Gründers Larry Ellison, trat gemeinsam mit dem ehemaligen Mattel-Chef Ynon Kreiz auf, der neuer Co-CEO des Unternehmens wird. Kreiz erklärte dabei, wie Paramount und Warner Bros. künftig unter einem gemeinsamen Dach arbeiten sollen.
„Der Plan ist, die Studios kreativ unabhängig voneinander zu halten. Jedes Studio wird also sein eigenes Programm, seine eigenen Beziehungen und seine eigenen Möglichkeiten haben. Anschließend werden wir die Veröffentlichungstermine koordinieren, um Genres und Zielgruppen optimal aufeinander abzustimmen und das bestmögliche Ergebnis für das gesamte Unternehmen zu erzielen“, sagte Kreiz.
Sowohl das Warner- als auch das Paramount-Studiogelände sollen weiterhin betrieben werden. Langfristig soll allerdings eines der beiden Areale vorwiegend für Filmproduktionen und das andere hauptsächlich für Fernsehen und Streaming genutzt werden. Ellison und Kreiz werden Büros an beiden Standorten unterhalten und planen, jeweils etwa die Hälfte ihrer Zeit dort zu verbringen. Zu Beginn dürften sie allerdings häufiger bei Warner Bros. präsent sein, während die neue Struktur aufgebaut wird.
„Es war ein turbulenter und teilweise hässlicher Prozess“
Ellison äußerte sich auch zu der Kritik, die der Zusammenschluss in Teilen der Kreativbranche ausgelöst hatte.
„Es war ein turbulenter Prozess und zeitweise ein hässlicher Prozess“, sagte Ellison. „Die Emotionen waren erheblich, und ich habe großen Respekt vor den Menschen, die diesem Vorhaben mit Sorge begegnet sind. Jetzt möchte ich die Seite umblättern und sicherstellen, dass wir Vertrauen aufbauen.“
Gleichzeitig bedankte er sich bei denjenigen aus der Kreativbranche, die die Fusion unterstützt hatten. Das Vertrauen der Kritiker wolle er nun gewinnen, indem Skydance die im Zuge des Zusammenschlusses gemachten Zusagen einhalte. Dazu gehören unter anderem 30 Kinofilme pro Jahr über beide Studios hinweg sowie die redaktionelle Trennung von CNN und CBS News.
Gerade bei der ambitionierten Zahl von 30 Filmen machte Ellison jedoch deutlich, dass Quantität nicht zulasten der Qualität gehen dürfe.
„Kein Unternehmen hat bislang 30 Filme pro Jahr in der Qualität produziert, die wir erreichen wollen. In einem Punkt werden wir deshalb sehr vorsichtig sein: Wir werden nichts tun, was die Qualität dieser Filme gefährden könnte.“

