Mit GURU (Originaltitel: Gourou) bringt Regisseur Yann Gozlan einen hochaktuellen Psychothriller auf die Leinwand, der den Zeitgeist trifft: In einer Welt voller Selbstoptimierung, Social Media und Erfolgsversprechen wird die Figur des „Gurus“ neu gedacht – als gefährlicher Machtmensch zwischen Inspiration und Manipulation.
Im Zentrum steht Matt Vasseur, gespielt von Pierre Niney. Der charismatische Life Coach hat es vom Schulabbrecher zum gefeierten Star der Selbsthilfe-Szene geschafft. Vor tausenden von Menschen predigt er Selbstliebe, Erfolg und persönliches Wachstum – und wird von seinen Anhängern nahezu wie ein Erlöser verehrt.
Doch hinter der glänzenden Fassade beginnt das System zu bröckeln.

Matt Vasseur ist ein Phänomen. Seine Shows gleichen inszenierten Massenereignissen, bei denen er sein Publikum emotional mitreißt und eine Art kollektive „Katharsis“ erzeugt. Genau diese Wirkung sorgt jedoch auch für Skepsis bei Behörden und Kritikern .
Als politische Institutionen beginnen, sein Geschäftsmodell zu hinterfragen, gerät Matt zunehmend unter Druck. Gleichzeitig wird die Beziehung zu seinen Anhängern gefährlich intensiv. Was als inspirierende Bewegung begann, entwickelt sich zu einem Machtgefüge, das außer Kontrolle zu geraten droht.
Der Film zeigt eindrucksvoll, wie schnell Einfluss in Manipulation umschlagen kann.

Guru ist eine kritische Auseinandersetzung mit der boomenden Coaching-Industrie. In einer Gesellschaft, die nach Sinn und Erfolg strebt, finden Figuren wie Matt Vasseur ein dankbares Publikum. Doch der Film stellt eine zentrale Frage: Wie viel Vertrauen sollten wir Menschen entgegenbringen, die einfache Antworten auf komplexe Lebensfragen versprechen?
Die Inszenierung legt dabei den Fokus auf Sprache und Wirkung. Motivationsslogans, emotionale Inszenierungen und charismatisches Auftreten werden als Werkzeuge der Einflussnahme entlarvt .

Mit seiner Darstellung eines ambivalenten, zunehmend instabilen Charakters liefert Pierre Niney eine der stärksten Performances seiner Karriere. Seine Figur schwankt zwischen echter Überzeugung und gefährlicher Selbstüberschätzung – eine Mischung, die den Zuschauer gleichermaßen fasziniert und beunruhigt.
Der Film zeigt, wie der Protagonist immer tiefer in eine Spirale aus Größenwahn, Kontrollverlust und öffentlichem Druck gerät. Am Ende steht nicht nur sein Imperium auf dem Spiel, sondern auch seine eigene Identität.

Mit Themen wie Selbstoptimierung, Social Media und der Sehnsucht nach Orientierung trifft Guru einen Nerv der Gegenwart. Der Film zeigt, wie leicht sich Menschen von starken Persönlichkeiten beeinflussen lassen – und wie schmal der Grat zwischen Inspiration und Manipulation ist.
Damit ist Guru nicht nur spannend, sondern auch gesellschaftlich relevant: ein düsterer Blick auf unsere Suche nach Erfolg, Anerkennung und Sinn.

