Vor 100 Jahren veränderte eine Kamera die Welt. Mit der Einführung der ersten serienmäßig produzierten 35-mm-Kamera im Jahr 1925 machte Leica Fotografie plötzlich mobil, spontaner und unmittelbarer. Fotografen konnten ihre Kameras erstmals problemlos überallhin mitnehmen – und genau das legte den Grundstein für den modernen Fotojournalismus und die dokumentarische Fotografie.
Der Dokumentarfilm „Leica – A Century of Vision“ erzählt die Geschichte dieser Revolution und zeigt, wie eine technische Innovation unseren Blick auf die Welt nachhaltig verändert hat. Gleichzeitig ist der Film eine Hommage an die Fotografen, die mit ihren Bildern Geschichte geschrieben haben.
Im Mittelpunkt stehen einige der bedeutendsten Namen der internationalen Fotografie. Zu ihnen gehören Henri Cartier-Bresson, einer der Begründer der modernen Straßenfotografie, Sebastião Salgado, dessen eindrucksvolle Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Menschen und Landschaften weltweit bekannt sind, Steve McCurry, Schöpfer des ikonischen Porträts des „Afghan Girl“, sowie Jane Evelyn Atwood, Ralph Gibson und Alex Webb, die mit ihren ganz eigenen fotografischen Handschriften Generationen von Bildjournalisten geprägt haben.
Regisseur Reiner Holzemer richtet seinen Blick jedoch nicht nur auf die Geschichte, sondern begleitet auch zeitgenössische Fotografen bei ihrer Arbeit. So verfolgt der Film den französischen Künstler JR, der in Neapel ein monumentales Wandkunstprojekt realisiert, Greg Williams, der Stars während der Filmfestspiele von Venedig fotografiert, sowie den isländischen Fotografen Ragnar Axelsson, der die Folgen des Klimawandels in Island und Grönland dokumentiert.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Kriegsfotografie – einem der anspruchsvollsten und zugleich wichtigsten Bereiche des dokumentarischen Arbeitens. Der Schweizer Fotograf Dominik Nahr berichtet seit Jahren über den Krieg in der Ukraine und dokumentiert das Leben der Menschen mitten im Konflikt. Der italienische Fotojournalist Gabriele Micalizzi erzählt von einem Einsatz in Syrien, bei dem seine Leica-Kamera ihm das Leben rettete, nachdem er von einem Mörsergeschoss getroffen wurde.
So unterschiedlich ihre Einsatzorte und Geschichten auch sind, verbindet alle porträtierten Fotografen eine gemeinsame Leidenschaft: die Arbeit mit der 35-mm-Fotografie – jenem Format, das Leica vor einem Jahrhundert etablierte und das bis heute Generationen von Fotografen inspiriert.
„Leica – A Century of Vision“ ist dabei weit mehr als eine Dokumentation über eine Kamera. Der Film zeigt, wie Fotografie Erinnerungen bewahrt, Geschichte dokumentiert und gesellschaftliche Entwicklungen sichtbar macht. Er erzählt von Menschen, die mit Mut, Neugier und einem geschulten Blick Momente festhalten, die oft weit über den Augenblick hinaus Bedeutung erlangen.
Hundert Jahre nach der Einführung der legendären Leica erinnert der Film daran, dass hinter jedem ikonischen Bild vor allem eines steht: ein Mensch, der im entscheidenden Moment den Auslöser drückt.

