Der nächste Filmtrailer, den du auf YouTube siehst, könnte deutlich mehr Aufrufe haben als ein Trailer, den du noch letzte Woche angesehen hast.
Das liegt nicht daran, dass der hypothetische neue Trailer unbedingt besser ist als sein hypothetischer Vorgänger. YouTube hat am Montag jedoch die Zählweise für öffentliche Videoaufrufe geändert. Statt einen Aufruf erst nach 30 Sekunden zu zählen, wird er künftig bereits registriert, „sobald ein Video zu laufen beginnt – ab dem allerersten Bild“, wie YouTube vergangene Woche in einem Update mitteilte.
Damit nähert sich YouTube der Zählweise von Plattformen wie TikTok, Instagram und X an. Gleichzeitig fällt ein bislang bestehendes Zwei-Klassen-System weg: Längere YouTube-Videos und YouTube Shorts wurden bisher unterschiedlich gezählt. Die neue Methode entspricht nun der von Shorts. Dort zählt jeder Start oder Neustart eines Videos als Aufruf – unabhängig davon, wie lange es angesehen wird.
Nach der neuen Zählweise hätte beispielsweise der erste Trailer zu Spider-Man: Brand New Day, der im März innerhalb der ersten 24 Stunden den Rekord von 718 Millionen Aufrufen aufstellte, heute vermutlich ein Vielfaches dieser Zahl erreicht. Entsprechend sollten künftige Meldungen über „neue Trailer-Rekorde“ wohl mit einem Hinweis auf die geänderte Zählweise versehen werden.
Noch wichtiger – insbesondere für Creator und Werbetreibende – ist allerdings, was sich nicht ändert: Die Zahl der öffentlichen Aufrufe entscheidet nicht darüber, ob und wie viel Geld YouTube-Creator verdienen.
Um am YouTube-Partnerprogramm teilnehmen zu können, benötigen Creator weiterhin mindestens 1.000 Abonnenten sowie eine bestimmte Zahl sogenannter „qualifizierter“ Aufrufe bei YouTube Shorts beziehungsweise eine bestimmte Zahl an Wiedergabestunden bei längeren Videos. Für die tatsächlichen Einnahmen zählt wiederum, was YouTube als engaged Shorts views beziehungsweise engaged watch hours bezeichnet. Dabei werden Zuschauer berücksichtigt, die nach den ersten Sekunden weitersehen; Wiederholungen in Endlosschleifen werden nicht mitgerechnet.
Ähnlich wie Einschaltquoten im Fernsehen nicht allein darüber entscheiden, wie erfolgreich eine Serie ist, sagen auch die reinen Aufrufzahlen auf YouTube schon lange wenig über den finanziellen Erfolg eines Creators oder Kanals aus. Durch die neue Zählweise werden die öffentlich sichtbaren Zahlen noch stärker von den Kennzahlen entkoppelt, die tatsächlich über Reichweite, Bindung und Einnahmen entscheiden.

