Aurélien Muller hat in Emily in Paris für Aufsehen gesorgt

Mit seiner Rolle in Emily in Paris erreicht Aurélien Muller erstmals ein weltweites Publikum. Im Gespräch mit The Hollywood Reporter Germany spricht er über seinen ungewöhnlichen Karriereweg, kreative Ambitionen und die nächste Phase seiner Laufbahn.

Aurélien Muller ist ein französischer Schauspieler und ehemaliges internationales Model aus der Region Moselle. Bevor er in der Mode- und Filmbranche Fuß fasste, arbeitete er als Ingenieur. Nach seiner Entdeckung durch eine Modelagentur entwickelte er eine erfolgreiche internationale Karriere und arbeitete für renommierte Marken wie Calvin Klein, Dolce & Gabbana, Massimo Dutti und Guerlain. Mit dem Wechsel vor die Kamera begann für Muller ein neues Kapitel, das ihm schließlich eine Rolle in der fünften Staffel der Netflix-Erfolgsserie Emily in Paris einbrachte. Dort verkörpert er die Figur Beau und macht damit erstmals einem breiten internationalen Publikum auf sich aufmerksam.

Aurélien Muller trägt ein eine Weste/ Blazer von Sean Suen | Foto: Denis Shchekin

The Hollywood Reporter Germany: Emily in Paris hat sich zu einem weltweiten Phänomen entwickelt und vermittelt Zuschauern rund um den Globus eine romantisierte Vorstellung von Frankreich. Welche Aspekte der Pariser Kultur fängt die Serie Deiner Meinung nach authentisch ein, und was wird von internationalen Zuschauern häufig missverstanden?
Aurélien Muller: Was Emily in Paris sehr gut einfängt, sind die Schönheit und die Energie von Paris. Es gibt eine echte Wertschätzung für Mode, Kunst, Architektur, Cafés und die Vorstellung, dass selbst der Alltag eine gewisse Eleganz besitzen kann. Diese Elemente sind tatsächlich ein fester Bestandteil der Identität der Stadt.

Was viele Menschen manchmal missverstehen, ist, dass Paris keine Filmkulisse ist. Es ist eine komplexe, multikulturelle und schnelllebige Stadt mit vielen unterschiedlichen Realitäten. Natürlich existiert dieses romantische Bild, aber es ist nur eine von vielen Facetten. Der wahre Charme von Paris entsteht aus seinen Gegensätzen – aus dem Zusammenspiel von Geschichte und Innovation, von Tradition und Vielfalt. Genau das macht die Stadt so faszinierend.

The Hollywood Reporter Germany: Deine Karriere umfasst sowohl das Modeln als auch die Schauspielerei. Wie hat Deine Erfahrung vor der Kamera als Model Deinen Ansatz zur Figurenentwicklung und zum Geschichtenerzählen als Schauspieler beeinflusst?
Aurélien Muller: Das Modeln hat mich gelehrt, ohne Worte zu kommunizieren. In einem Foto können eine Geste, ein Blick oder eine Haltung innerhalb eines Sekundenbruchteils eine ganze Geschichte erzählen.

Dieses Bewusstsein ist für mich als Schauspieler unglaublich wertvoll geworden.

Wenn ich eine Figur entwickle, achte ich sehr auf ihre Körpersprache. Wie steht diese Person? Wie bewegt sie sich? Welche Gefühle zeigt sie offen, welche verbirgt sie? Was versucht sie zu erreichen? Was ist ihr wichtig? Warum spricht sie? Das Modeln hat mir gezeigt, dass die Kamera alles wahrnimmt – selbst die Stille.

Aurélien Muller trägt ein Shirt von Carlota Barrera | Foto: Denis Shchekin

The Hollywood Reporter Germany: Die europäische Unterhaltungsbranche wird zunehmend internationaler, und Produktionen erreichen heute Zuschauer weit über ihre Herkunftsländer hinaus. Wie hat dieser Wandel die Möglichkeiten für französische Talente verändert, und wohin entwickelt sich die Branche Deiner Meinung nach?
Aurélien Muller: Es ist eine spannende Zeit, denn Talent ist heute nicht mehr durch geografische Grenzen eingeschränkt. Das Publikum ist deutlich offener für Untertitel, unterschiedliche Kulturen und internationales Storytelling geworden. Für französische Schauspieler bedeutet das die Möglichkeit, in ganz Europa, in den Vereinigten Staaten und darüber hinaus zu arbeiten, ohne dabei die eigene kulturelle Identität aufgeben zu müssen. Ich denke, die Zukunft gehört Geschichten, die lokal authentisch sind und gleichzeitig eine universelle Wirkung entfalten. Die Branche wird immer globaler, doch das Publikum sehnt sich weiterhin nach Authentizität.

Aurélien Muller trägt ein Shirt von Carlota Barrera | Foto: Denis Shchekin

The Hollywood Reporter Germany: Deutschland und Frankreich teilen eine reiche kulturelle und künstlerische Geschichte. Gibt es deutsche Regisseure, Schauspieler oder kreative Strömungen, die Deine Arbeit inspiriert haben? Und könntest Du Dir vorstellen, Projekte im deutschen Film- und Fernsehmarkt zu verfolgen?
Aurélien Muller: Absolut. Ich habe die Arbeit von Regisseuren wie Wim Wenders schon immer bewundert, ebenso wie die emotionale Tiefe, die in vielen deutschen Filmen zu finden ist. Deutschland besitzt eine bemerkenswerte Tradition, künstlerischen Anspruch mit starkem Storytelling zu verbinden.

Einer meiner absoluten Lieblingsfilme ist Inglourious Basterds. Der Film vereint einige meiner Lieblingsschauspieler, darunter Christoph Waltz, Michael Fassbender und Daniel Brühl. Ich würde sehr gerne im deutschen Markt arbeiten. Die Zahl internationaler Produktionen wächst stetig, und ich empfinde kulturelle Zusammenarbeit als äußerst bereichernd. Gute Geschichten machen schließlich nicht an Landesgrenzen halt.

The Hollywood Reporter Germany: Mit Blick auf die Zukunft: Welche Geschichten möchtest Du besonders gerne erzählen? Gibt es bestimmte Rollen, Genres oder historische Persönlichkeiten, die Dich kreativ herausfordern und das nächste Kapitel Deiner Karriere prägen könnten?
Aurélien Muller: Mich faszinieren vor allem komplexe Figuren, die sich in Phasen der Veränderung befinden – Menschen, die vor schwierigen Entscheidungen stehen, persönliche Herausforderungen bewältigen müssen oder Momente erleben, die ihr Leben und ihr Selbstverständnis grundlegend verändern.

Besonders reizen mich psychologische Dramen, historische Stoffe und actionreiche Geschichten mit einer starken emotionalen Grundlage. Die interessantesten Rollen sind oft jene, die gleichzeitig Stärke und Verletzlichkeit offenbaren.

Aurélien Muller trägt ein Shirt von Simone Rocha | Foto: Denis Shchekin

The Hollywood Reporter Germany: Bevor Du Schauspieler wurdest, habst Du eine erfolgreiche Karriere als Model aufgebaut und warst in Kampagnen zu sehen, die weltweit veröffentlicht wurden. Was haben Dir diese frühen Erfahrungen über Performance, Selbstvertrauen und den Umgang mit der Kamera beigebracht?
Aurélien Muller: Vor allem haben sie mich Disziplin gelehrt. Ein Fotoshooting mag mühelos wirken, doch es erfordert Vorbereitung, Konzentration und Beständigkeit.

Außerdem habe ich gelernt, dass Selbstvertrauen nicht daraus entsteht, andere beeindrucken zu wollen. Es entsteht, wenn man im Moment präsent ist und sich in seiner eigenen Haut wohlfühlt. Die Kamera ist überraschend ehrlich – sie erkennt Authentizität sehr schnell.

The Hollywood Reporter Germany: Modeln erzählt häufig eine Geschichte durch ein einziges Bild, während die Schauspielerei es ermöglicht, eine Figur über viele Stunden Bildschirmzeit hinweg zu entwickeln. Wie hat Dein Hintergrund in der Modefotografie Dich auf die Anforderungen von Film und Fernsehen vorbereitet?
Aurélien Muller: Die Modefotografie hat mir visuelles Erzählen beigebracht. Jedes Bild besitzt eine Stimmung, eine Geschichte und ein emotionales Ziel.

Im Film hat man mehr Zeit, eine Figur zu erforschen, doch die Grundprinzipien sind ähnlich. Man muss verstehen, was die Figur will, was sie fühlt und welche Geschichte man mit ihr erzählt. Das Modeln hat mir ein intuitives Verständnis für visuelle Kommunikation vermittelt, das ich bis heute nutze.

Aurélien Muller trägt ein Shirt von Carlota Barrera | Foto: Denis Shchekin

The Hollywood Reporter Germany: Du hast mit renommierten Fotografen, Kreativdirektoren und Luxusmarken gearbeitet. Gab es eine bestimmte Kampagne oder ein Fotoshooting, das Deine Sicht auf Dich selbst verändert hat – weg vom reinen Model hin zum Geschichtenerzähler?
Aurélien Muller: Es gab keinen einzelnen Schlüsselmoment, sondern vielmehr eine allmähliche Erkenntnis. Die Zusammenarbeit mit großartigen Fotografen hat mir gezeigt, dass die stärksten Bilder niemals nur von Kleidung handeln. Sie handeln von Emotionen, Atmosphäre und Charakter.

Als ich begann, jedes Shooting als eine Erzählung und nicht lediglich als eine Abfolge von Posen zu betrachten, veränderte sich meine Perspektive grundlegend. Diese Denkweise hat mich letztlich zur Schauspielerei geführt.

The Hollywood Reporter Germany: Die Mode- und Unterhaltungsbranche wachsen immer stärker zusammen, und viele Models wechseln erfolgreich in die Schauspielerei. Was waren die größten Herausforderungen, die Menschen davon zu überzeugen, Dich als Schauspieler und nicht nur als Gesicht einer Kampagne wahrzunehmen?
Aurélien Muller: Die größte Herausforderung bestand darin, zu beweisen, dass ich die Schauspielkunst ernst nehme. Menschen verbinden einen zunächst ganz selbstverständlich mit der Karriere, durch die sie einen kennengelernt haben.

Die Lösung war einfach: Ausbildung, Ausdauer und Geduld. Man muss immer wieder erscheinen, ständig dazulernen und die eigene Arbeit für sich sprechen lassen. Mit der Zeit konzentrieren sich die Menschen nicht mehr darauf, wo man angefangen hat, sondern darauf, was man tatsächlich leisten kann.

Aurélien Muller trägt ein Shirt von Dsquared2 und eine Jeans von Celine | Foto: Denis Shchekin

The Hollywood Reporter Germany: Wenn Du auf Deine ersten Modeljobs zurückblickst und diese mit Deiner heutigen Situation vergleichst – welchen Rat würdest Du jungen Talenten geben, die von einer Karriere träumen, die Mode, Fotografie und Film miteinander verbindet?
Aurélien Muller: Neugierig bleiben und sich niemals zu sehr auf eine einzige Identität festlegen. Fähigkeiten aus einem Bereich können in einem anderen oft von großem Wert sein.

Und vor allem: Es nicht eilig haben. Eine nachhaltige Karriere aufzubauen braucht Zeit. Man sollte sich darauf konzentrieren das Handwerk zu lernen, weiterzuentwickeln und mit Menschen zusammenzuarbeiten, die einen inspirieren. Erfolg verläuft selten geradlinig, und einige der spannendsten Möglichkeiten ergeben sich auf Wegen, die man niemals geplant hätte.

Talent: Aurelien Muller (New Madison Models Paris) @aurelien_muller_official @newmadisonmodels
Fotograf: Denis Shchekin @dsch5
Styling: Kimberly Goodnight @kimberlyygoodnight
Groomer: Lisa Sasson mit Produkten von La Roche-Posay @leezasasson @larocheposay
Produktion: Kam für Media Playground PR @lensstylekamkam

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