Lili Reinhart weiß inzwischen ziemlich genau, wie wenig sich in Hollywood tatsächlich planen lässt. Sie war Anfang 20, als „Riverdale“ sie praktisch über Nacht einem weltweiten Publikum bekannt machte. Heute, fast ein Jahrzehnt später, ist sie längst mehr als Betty Cooper: Schauspielerin, Produzentin, Unternehmerin – und eine Frau, die gelernt hat, ihren eigenen Weg in einer Industrie zu finden, in der Erfolg trotz allem nie vollständig in den eigenen Händen liegt.
Mit „The Love Hypothesis“ übernimmt Reinhart nun nicht nur die Hauptrolle in der Verfilmung von Ali Hazelwoods Bestseller, sondern gestaltet das Projekt auch als Executive Producer mit. Im Gespräch mit The Hollywood Reporter Germany spricht sie über den Druck, eine von Millionen Lesern geliebte Figur zum Leben zu erwecken, ihre Chemie mit Tom Bateman, die Bedeutung weiblicher Freundschaften – und darüber, warum der Blick hinter die Kulissen Hollywoods ihr geholfen hat, Ablehnung weniger persönlich zu nehmen.
Vielleicht ist es genau diese Gelassenheit, die Reinharts aktuelle Karrierephase am besten beschreibt. Sie weiß, dass sie nicht kontrollieren kann, welcher Regisseur mit ihr arbeiten möchte, wie ein Film geschnitten wird oder ob er am Ende zum Erfolg wird. Was sie kontrollieren kann, ist, welche Geschichten sie erzählen möchte – und wie sie selbst dabei auftritt.

THR Germany: „The Love Hypothesis“ hatte bereits eine riesige und leidenschaftliche Fangemeinde, bevor du überhaupt ans Set gekommen bist. Ist das für dich als Schauspielerin eher aufregend – oder macht es dich nervöser, weil Millionen Leser bereits ihre ganz eigene Vorstellung von Olive haben?
Lili Reinhart: Es gibt definitiv Vor- und Nachteile. Ehrlich gesagt war „Riverdale“ eine gute Vorbereitung auf so etwas, weil auch die Serie auf einer Vorlage mit einer großen Fangemeinde basierte. Deshalb fühlte sich diese Situation für mich nicht völlig ungewohnt an.
Trotzdem ist es einschüchternd und eine Herausforderung, eine Figur zum Leben zu erwecken, die die Menschen bereits kennen und lieben, und sie aus einem Buch in einen Film zu übertragen. Gleichzeitig liegt genau darin etwas Schönes: Es gibt bereits so viele Menschen, denen diese Frau etwas bedeutet. Man spielt also eine Figur, die schon geliebt wird. Es ist ein schönes Gefühl, Teil eines Films zu sein, an dem den Menschen bereits etwas liegt. Ich empfinde es als großes Glück, an einem Projekt mit einer so großen Fangemeinde arbeiten zu dürfen.
Natürlich hofft man darauf, dass die Zuschauer verstehen, dass ein Film niemals alles enthalten kann, was in einem Buch steckt. Es wird zwangsläufig Dinge geben, die fehlen. Die Fans haben bereits gesehen, dass es einige Veränderungen gegenüber dem Buch gibt, aber das gehört zu einer Adaption einfach dazu. Solange man das Herz und die Seele der Geschichte und ihrer Figuren nicht verändert, wird man der Vorlage trotzdem gerecht. Und ich glaube, dass uns das mit diesem Film gelungen ist.

THR Germany: Chemie ist gerade in einer romantischen Komödie etwas, das man kaum künstlich herstellen kann. Wann hast du gemerkt, dass Tom Bateman und du die Chemie zwischen Olive und Adam gefunden habt?
Lili Reinhart: Wir hatten das Glück, vor Drehbeginn eine Woche proben zu können. Zuvor hatten wir bereits einen Chemistry Read über Zoom und gemeinsam Szenen gelesen. Seltsamerweise merkt man sogar über Zoom ziemlich schnell, ob man mit jemandem Chemie haben wird. Und bei uns war sie da.
Als wir dann beide in Montreal waren, hatten wir noch eine Woche bis zum Drehstart und konnten gemeinsam mit unserer Regisseurin Claire Szene für Szene durchgehen und vor allem an der Komik arbeiten. Claire war sehr wichtig, all diese kleinen Blicke zwischen Adam und Olive einzufangen, die gar nicht unbedingt im Drehbuch stehen. Man soll in diesen kleinen Momenten beobachten können, wie sie sich ineinander verlieben, ohne dass sie tatsächlich miteinander sprechen.
Tom und ich haben deshalb versucht, uns in den Szenen immer gegenseitig wahrzunehmen, selbst wenn wir gerade keinen Dialog miteinander hatten oder direkt miteinander interagierten. Bei zwei Menschen mit einer solchen Chemie ist der andere schließlich immer irgendwie präsent.

THR Germany: Du bist bei dem Film auch Executive Producer. Gab es einen Moment, in dem Lili, die Schauspielerin, etwas anderes wollte als Lili, die Produzentin, weil du wusstest, was der Film als Ganzes braucht?
Lili Reinhart: Das ist eine gute Frage. Manchmal kann sich der Humor in romantischen Komödien für mich etwas zu offensichtlich anfühlen oder entspricht einfach nicht unbedingt meinem persönlichen Humor. Als Schauspielerin kann es dann schwierig sein, einen Witz oder eine Zeile zu spielen, die sich für mich nicht vollkommen organisch anfühlt.
Als Executive Producer kenne ich aber das Drehbuch, das Buch und seine Fangemeinde und verstehe, dass etwas, auch wenn es nicht meinem persönlichen Humor entspricht oder sich für mich nicht vollkommen natürlich anfühlt, trotzdem in die Welt von „The Love Hypothesis“ gehört.
Eigentlich gilt das aber für jedes Drehbuch und jeden Schauspieler. Manchmal würde man selbst einen Satz vielleicht anders sagen, aber er passt trotzdem in die Welt der Geschichte. Und ehrlich gesagt denke ich auch so, wenn ich bei einem Projekt nicht als Produzentin beteiligt bin. Ich versuche immer, das zu tun, was für den gesamten Film richtig ist, anstatt aus egoistischen Gründen für meine eigene Vorstellung zu kämpfen.
THR Germany: „The Love Hypothesis“ ist natürlich eine Liebesgeschichte, aber du hast auch über die Bedeutung weiblicher Freundschaft innerhalb des Films gesprochen. Behandeln wir romantische Liebe noch immer zu häufig als die prägende Beziehung im Leben einer Frau, obwohl Freundschaften genauso wichtig sein können?
Lili Reinhart: Absolut. Freundinnen im eigenen Leben zu haben, ist als Frau unglaublich wichtig. Es ist entscheidend, sich eine Gemeinschaft und Beziehungen außerhalb der romantischen Liebe aufzubauen.
Ich gehe jetzt auf meine Dreißiger zu und bin sehr glücklich darüber, ein so stabiles Fundament aus Freundschaften um mich herum zu haben. Auch unabhängig von meiner romantischen Beziehung. Mein Partner und ich sind seit mehr als dreieinhalb Jahren zusammen, und wir würden beide sagen, dass unsere Freundschaften in unserem Leben genauso wichtig sind. Sie erfüllen einfach einen anderen Teil des Herzens. Platonische Liebe ist für mich genauso wichtig und genauso gut für die Seele.
Das ist tatsächlich auch etwas, das mir an „The Love Hypothesis“ besonders gefallen hat. Das Fake Dating und letztlich die gesamte Handlung entstehen daraus, dass Olive eine gute Freundin sein und ihre beste Freundin glücklich machen möchte. Diesen Aspekt mochte ich sehr. Weibliche Freundschaft ist für diesen Film wichtig – aber genauso im echten Leben.

THR Germany: Du hast Hollywood inzwischen aus verschiedenen Perspektiven erlebt: als Schauspielerin, Produzentin und Unternehmerin. Hat der Blick hinter die Kulissen deine Vorstellung davon verändert, wie Macht in Hollywood funktioniert?
Lili Reinhart: Absolut. In den vergangenen Jahren mit meiner eigenen Produktionsfirma zu arbeiten, war unglaublich aufschlussreich. Vor allem habe ich verstanden, was für ein Wunder es eigentlich ist, wenn ein Film überhaupt zustande kommt.
Es müssen unglaublich viele Dinge zusammenpassen: Zeitpläne, die Verfügbarkeit der Schauspieler, das Drehbuch muss rechtzeitig fertig sein, die Locations müssen funktionieren. Es gibt so viele Faktoren, dass es sich tatsächlich manchmal wie ein kleines Wunder anfühlt, wenn ein Projekt wirklich realisiert wird.
Es war für mich auch interessant, hinter den Kulissen zu erleben, warum man manchmal eine Rolle nicht bekommt. Ich war inzwischen als Executive Producer an Projekten beteiligt, bei denen ich Chemistry Reads mit verschiedenen Schauspielern gemacht habe. Dabei habe ich verstanden, dass jemand ein großartiger Schauspieler sein kann und die Rolle trotzdem nicht bekommt, weil es einfach nicht die richtige Besetzung oder die richtige energetische Verbindung ist.
Das hat mir als Schauspielerin geholfen, Ablehnungen weniger persönlich zu nehmen. Wenn ich eine Rolle nicht bekomme, dann glaube ich inzwischen daran, dass die Person, die sie bekommt, sie aus irgendeinem Grund bekommen sollte. Ich glaube wirklich daran, dass das, was sein soll, auch passieren wird. Das bestätigt sich für mich immer wieder.
Der Blick hinter die Kulissen hat mir geholfen zu verstehen, dass außerhalb von mir als Schauspielerin eine riesige Maschinerie arbeitet. Dadurch nehme ich vieles weniger persönlich.
THR Germany: Du hast einmal gesagt, dass du vielleicht 25 Prozent Kontrolle über deine eigene Karriere hast und versuchst, das Beste aus diesen 25 Prozent zu machen. Hat dir deine Arbeit als Produzentin ein paar Prozentpunkte mehr gegeben?
Lili Reinhart: Vielleicht fünf Prozent. Nicht besonders viel. (lacht)
Aber ich sage das mit einem gewissen Verständnis dafür, wie diese Industrie funktioniert. Genau deshalb produziere ich so gerne. Ich möchte so viel Kontrolle über meine Karriere haben wie möglich – und bis zu einem gewissen Grad habe ich sie auch.
Aber es ist eine seltsame Branche. Man kann nicht selbst entscheiden, wie erfolgreich man sein wird. Das liegt letztlich immer auch in den Händen anderer Menschen. Ich kann nur auftauchen und meine Arbeit machen. Wie ein Film am Ende zusammengesetzt und geschnitten wird, wie er vermarktet wird oder welche Regisseure mit mir arbeiten möchten – über all diese Dinge habe ich keine Kontrolle.
Deshalb versuche ich, bei den Dingen, die ich beeinflussen kann, so konsequent wie möglich meinen eigenen Vorstellungen treu zu bleiben: welche Projekte ich machen möchte, wie ich mich am Set verhalte, wie ich mich meinen Figuren widme, wie ich einen Film vermarkte oder wie ich bei Presseterminen auftrete.
Das sind die Dinge, die ich kontrollieren kann. Und weil so vieles außerhalb meiner Kontrolle liegt, versuche ich bei diesen Entscheidungen so sehr wie möglich bei mir selbst zu bleiben.

THR Germany: Wenn die Zuschauer „The Love Hypothesis“ sehen: Was wünschst du dir, dass sie aus dem Film mitnehmen? Wie sollen sie sich danach fühlen?
Lili Reinhart: Wir wollten dieses Gefühl von Geborgenheit vermitteln, das romantische Komödien der späten Neunziger und frühen 2000er für viele Menschen haben. Der Film sollte sich zeitloser und weniger nach 2026 anfühlen.
Es sollte ein Film sein, den man mit seinen Freundinnen schaut, bei dem man kichert und mitfiebert, weil man diese beiden Menschen unbedingt zusammen sehen möchte.
Und natürlich wollten wir auch die Fans des Buches glücklich machen. Wir hatten sie während des gesamten Prozesses im Hinterkopf. Wir lieben und respektieren Ali Hazelwoods Arbeit, ihr Buch und selbstverständlich die Vorlage, auf der unser Film basiert.
SHOOTINGCREDITS
Fotografin: Jana Schuessler, Styling: Maegan Campbell, Hair: Lauren Palmer Smith, Make-Up: Shelby Smith, Interview: Grace Maier

