Streaming-Regulierung in Deutschland: 70 Prozent befürchten steigende Abo-Preise

Eine neue bundesweite Umfrage, die FGS Global im Auftrag der Motion Picture Association (MPA) durchgeführt hat, liefert nun Einblicke in die Haltung deutscher Verbraucher.

Die Bundesregierung diskutiert über verpflichtende Investitionen von Streaming-Anbietern in deutsche und europäische Produktionen. Doch eine neue, von der Motion Picture Association (MPA) in Auftrag gegebene Umfrage zeigt deutliche Vorbehalte: 70 Prozent der Befragten befürchten höhere Abonnementpreise, während die Ablehnung der geplanten Investitionspflicht doppelt so hoch ausfällt wie die Zustimmung.

Wie viel Einfluss sollte die Politik darauf haben, welche Filme und Serien internationale Streaming-Dienste in Deutschland produzieren? Diese Frage steht im Mittelpunkt der aktuellen Debatte über eine mögliche Investitionspflicht für Plattformen wie Netflix, Prime Video und Disney+.

Eine neue bundesweite Umfrage, die FGS Global im Auftrag der Motion Picture Association (MPA) durchgeführt hat, liefert nun Einblicke in die Haltung deutscher Verbraucher. Das Ergebnis: Die Befragten zeigen sich mit dem bestehenden Angebot deutscher Inhalte auf internationalen Streaming-Plattformen überwiegend zufrieden und stehen zusätzlichen staatlichen Vorgaben skeptisch gegenüber.

Besonders deutlich fallen die Bedenken hinsichtlich möglicher Preissteigerungen aus.

70 Prozent befürchten höhere Streaming-Kosten

Im Zentrum der politischen Diskussion steht der Vorschlag, Streaming-Anbieter künftig dazu zu verpflichten, einen festgelegten Anteil ihrer Einnahmen in bestimmte deutsche oder europäische Film- und Fernsehproduktionen zu investieren. Dabei stehen auch staatlich festgelegte Teilquoten zur Debatte.

Laut der Umfrage befürchten 70 Prozent der Befragten, dass solche Verpflichtungen zu höheren Preisen für Streaming-Abonnements führen könnten.

Weitere 59 Prozent äußern die Sorge, dass Produktionen aus Deutschland abwandern und damit Arbeitsplätze sowie die heimische Wirtschaft beeinträchtigt werden könnten. Ebenfalls 59 Prozent befürchten eine sinkende Qualität der Inhalte. 56 Prozent halten es für möglich, dass steigende Produktionskosten letztlich sogar zu weniger deutschen Produktionen führen könnten.

Dabei handelt es sich um die Erwartungen und Befürchtungen der Befragten, nicht um nachgewiesene wirtschaftliche Folgen der vorgeschlagenen Regulierung.

Mehrheit zufrieden mit deutschen Inhalten bei Netflix und Co.

Die Umfrage zeichnet zugleich ein überwiegend positives Bild der internationalen Streaming-Anbieter.

63 Prozent der Befragten stehen internationalen Streaming-Diensten positiv gegenüber, während lediglich neun Prozent eine negative Einstellung äußern.

Auch das Angebot deutscher Produktionen wird mehrheitlich positiv bewertet. 58 Prozent finden, dass internationale Plattformen das richtige Maß an deutschen Filmen und Serien anbieten. Nur 17 Prozent sind der Ansicht, dass es zu wenige deutsche Inhalte gibt.

Bei der Frage nach der Zufriedenheit mit der verfügbaren Menge deutscher Produktionen stehen 48 Prozent zufriedenen Verbrauchern lediglich elf Prozent Unzufriedene gegenüber.

Darüber hinaus sind 75 Prozent der Meinung, dass das Angebot deutscher Inhalte in den vergangenen zehn Jahren entweder gewachsen oder zumindest stabil geblieben ist.

Wer sollte entscheiden, welche Filme und Serien produziert werden?

Ein weiteres Ergebnis betrifft die Frage, wer über die Produktion deutscher Inhalte entscheiden sollte.

78 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass die Nachfrage des Publikums ausschlaggebend dafür sein sollte, welche deutschen Filme und Serien internationale Streaming-Dienste produzieren. Lediglich 15 Prozent sprechen sich dafür aus, dass die Bundesregierung bei diesen Entscheidungen ein Mitspracherecht haben sollte.

Die konkrete geplante Investitionspflicht war allerdings vielen Teilnehmern vor der Befragung nicht bekannt: 64 Prozent hatten zuvor noch nichts von dem Vorhaben gehört.

Nachdem ihnen der Vorschlag erläutert worden war, lehnten ihn 40 Prozent ab. 20 Prozent befürworteten ihn, während sich 34 Prozent neutral positionierten.

Die Ablehnung fiel damit doppelt so hoch aus wie die Zustimmung. Eine absolute Mehrheit gegen die Investitionspflicht ergibt sich aus diesen Zahlen allerdings nicht.

MPA warnt vor staatlichen Vorgaben

Für die Motion Picture Association, die unter anderem die Interessen von Disney, Netflix, Paramount, Prime Video, Sony, Universal und Warner Bros. vertritt, unterstreichen die Ergebnisse ihre kritische Haltung gegenüber einer verpflichtenden Investitionsquote.

Christian Sommer, Vertreter der MPA in Deutschland, sieht eine Diskrepanz zwischen den diskutierten politischen Maßnahmen und den Wünschen der Verbraucher.

„Diese Ergebnisse zeigen eine deutliche Diskrepanz zwischen den Investitionsverpflichtungen, die derzeit von der Regierungskoalition in Betracht gezogen werden, und dem, was deutsche Verbraucher tatsächlich wollen“, erklärt Sommer.

Aus Sicht der MPA könnten starre Investitionsvorgaben zusätzliche Kosten verursachen und das bestehende Produktionsumfeld beeinträchtigen. Gleichzeitig betont der Verband, dass er das Ziel einer starken deutschen Film- und Fernsehproduktion ausdrücklich unterstützt.

Statt verpflichtender Quoten plädiert die MPA dafür, Deutschland als Produktionsstandort attraktiver zu machen, Investitionen zu fördern und kreative Freiheiten sowie die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

Die Debatte um Deutschlands Streaming-Zukunft

Die Ergebnisse erscheinen zu einem Zeitpunkt, an dem die Bundesregierung über neue Regelungen für internationale Streaming-Dienste und Investitionen in die deutsche Film- und Fernsehbranche berät. Die entsprechenden Beratungen laufen derzeit im Ausschuss für Kultur und Medien des Deutschen Bundestages.

Die Diskussion berührt damit eine zentrale Frage für die Zukunft des deutschen Produktionsstandorts: Wie lassen sich Investitionen in heimische Filme und Serien stärken, ohne die wirtschaftliche Flexibilität der Streaming-Anbieter einzuschränken?

Die MPA positioniert sich in dieser Debatte klar gegen verpflichtende Investitionsquoten. Die von ihr beauftragte Umfrage liefert dazu die Perspektive der befragten Verbraucher, ersetzt allerdings keine Untersuchung der tatsächlichen wirtschaftlichen Auswirkungen einer solchen Regulierung.

Zur Umfrage: FGS Global befragte vom 13. bis 17. Oktober 2026 im Auftrag der Motion Picture Association (MPA) insgesamt 1.000 deutsche Verbraucher online, darunter 812 Abonnenten internationaler Streaming-Dienste. Die angegebene Fehlermarge beträgt ±3,1 Prozentpunkte.

Die wichtigsten Ergebnisse hat die MPA in einem One-Pager zur Streaming-Umfrage in Deutschland zusammengefasst.

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