Vom Umgang mit Rückschlägen über die Erwartungen an große Film- und Serienproduktionen bis hin zur Herausforderung, nach intensiven Dreharbeiten wieder in den Alltag zurückzufinden: Im Interview mit The Hollywood Reporter Germany spricht Schauspieler Tom Hopper über seine persönliche Entwicklung, die Bedeutung guter Zusammenarbeit und darüber, warum er heute bewusster entscheidet, welche Rollen er annimmt.
The Hollywood Reporter Germany: Was weißt du heute über die Schauspielerei, dass du gerne schon zu Beginn deiner Karriere gewusst hättest?
Tom Hopper: Ich glaube, das Wichtigste ist, sich bewusst zu machen, dass eine Schauspielkarriere ein lebenslanger Marathon ist und kein Sprint, bei dem man über Nacht ans Ziel kommt. Ich habe bei jedem einzelnen Projekt unglaublich viel gelernt und lerne auch heute noch ständig dazu.
The Hollywood Reporter Germany: Du wirst häufig für körperlich sehr präsente Rollen besetzt. Hast du manchmal das Gefühl, dagegen ankämpfen zu müssen, dass die Menschen zuerst deine körperliche Erscheinung wahrnehmen und erst danach den Schauspieler?
Tom Hopper: Ich empfinde das einerseits als Segen, manchmal aber auch als Fluch. Es gab Situationen in meiner Karriere, in denen mir meine körperliche Erscheinung im Weg stand. Gleichzeitig war sie aber auch der Grund, weshalb ich für bestimmte Rollen genau der Richtige war.Zu Beginn meiner Karriere hatte ich manchmal das Gefühl, eine Rolle ausschließlich wegen meiner körperlichen Präsenz bekommen zu haben. Über die Jahre habe ich deshalb versucht, wirklich zu beweisen, dass ich weit mehr zu bieten habe als das.
The Hollywood Reporter Germany: Gab es eine Rolle, die deine Herangehensweise an die Schauspielerei grundlegend verändert hat?
Tom Hopper: Nicht unbedingt eine bestimmte Rolle, sondern vielmehr die Menschen, mit denen ich bei „Black Sails“ zusammengearbeitet habe. Durch sie habe ich mich als Schauspieler enorm weiterentwickelt.Ich habe unglaublich viel von Kollegen wie Toby Stephens gelernt. Seiner Unterstützung und seinem Mentoring verdanke ich sehr viel.
The Hollywood Reporter Germany: Wenn du Teil eines großen Franchise wirst, wie gelingt es dir, einer Figur deine eigene Handschrift zu verleihen, obwohl bereits so viele Erwartungen an das Projekt geknüpft sind?
Tom Hopper: Ich versuche immer, die Figur und die Situationen, in denen sie sich befindet, so wahrhaftig wie möglich darzustellen – ganz gleich, in welcher Welt die Geschichte spielt.Solange man sich an dieser Wahrheit orientiert, kann man meiner Meinung nach nicht allzu viel falsch machen.
The Hollywood Reporter Germany: Hat deine wachsende Erfahrung verändert, wie du dich einer Figur näherst, sobald du am Set stehst?
Tom Hopper: Ja, definitiv. Ich bin präziser geworden und habe gelernt, meinem eigenen Prozess zu vertrauen.Früher habe ich meine Entscheidungen häufig hinterfragt und an mir gezweifelt. Mit der Zeit habe ich jedoch gelernt, entspannter zu sein und darauf zu vertrauen, dass meine Vorbereitung und die Arbeit, die ich bereits investiert habe, ausreichen.
The Hollywood Reporter Germany: Du hast sowohl die glamourösen als auch die sehr anspruchsvollen Seiten dieser Branche erlebt. Was hat dich der Erfolg gelehrt, das du zu Beginn deiner Karriere noch nicht verstehen konntest?
Tom Hopper: Ich glaube tatsächlich, dass man aus den Misserfolgen einer Schauspielkarriere wesentlich mehr lernt als aus den Erfolgen.Es gibt Momente, in denen man fest davon überzeugt ist, dass eine bestimmte Rolle für einen bestimmt ist. Man setzt unglaublich viel Hoffnung darauf, und am Ende bekommt man sie trotzdem nicht.Als ich jünger war, hat mich das sehr mitgenommen. Aber im Laufe meiner Karriere habe ich verstanden, dass diese vermeintlichen „Misserfolge“ einfach nicht Teil meines Weges waren. Und dass sich die Dinge, die wirklich für einen bestimmt sind, irgendwann ergeben.Ich habe schon relativ früh gelernt, meinen Frieden damit zu schließen, wenn ich eine Rolle nicht bekomme. Und diese Einstellung hat mir seitdem sehr geholfen.
The Hollywood Reporter Germany: Schauspieler werden ständig bewertet – vom Publikum, von Kritikern und von der Branche selbst. Ist es dir mit der Zeit leichter gefallen, deinen eigenen Wert davon zu trennen, wie ein Projekt aufgenommen wird?
Tom Hopper: Um ehrlich zu sein, versuche ich, Rezensionen und Kommentare in den sozialen Medien möglichst wenig zu lesen. Ich glaube einfach nicht, dass mir das etwas bringt.Wenn ich an einem Projekt arbeite, versuche ich, jede einzelne Sekunde am Set bestmöglich zu nutzen. Ich möchte die Erfahrung genießen und alles von mir in die Rolle investieren, die ich spiele.Wenn ein Kritiker anschließend entscheidet, dass ihm meine Arbeit nicht gefällt, ist das seine persönliche Meinung. Und natürlich hat er jedes Recht darauf.Aber das ändert nichts daran, dass ich weiß, wie viel ich in diese Rolle investiert habe. Und daran würde auch nichts ändern, wenn ich seine Meinung darüber lese.
The Hollywood Reporter Germany: Gibt es einen Aspekt des Schauspielprozesses, der dich im Laufe deiner Karriere zunehmend beschäftigt oder neugierig gemacht hat?
Tom Hopper: Früher habe ich mir nie wirklich Gedanken darüber gemacht, wie es ist, nach Dreharbeiten wieder in den normalen Alltag zurückzukehren. Besonders nach einem sehr intensiven Dreh.Zum Beispiel war es die intensivste Dreherfahrung, die ich je gemacht habe, in „BETTER“ Zwillinge zu spielen. Während der Dreharbeiten hatte ich überhaupt nicht das Gefühl, dass mich das besonders beeinflusst.Aber als der Dreh vorbei war, hatte ich plötzlich dieses seltsame Bedürfnis, erst einmal herunterzukommen und das Ganze zu verarbeiten.Ich habe dann mit meiner Frau Laura darüber gesprochen, und sie meinte nur: „Na ja, das musst du doch immer machen. Ist dir das noch nie aufgefallen?“Sie hat mir daraufhin einige Beispiele aus der Vergangenheit genannt, in denen ich genau das gebraucht hatte. Mir selbst war es einfach nie wirklich bewusst gewesen.
The Hollywood Reporter Germany: Wenn du eine Figur spielst, die sich stark von dir selbst unterscheidet, wonach suchst du als Erstes, um einen Zugang zu ihr zu finden?
Tom Hopper: Ich schaue tatsächlich zuerst danach, inwiefern ich mich mit der Figur identifizieren oder eine Verbindung zu ihr herstellen kann. Das ist für mich auch ein entscheidender Faktor bei der Frage, ob ich eine Rolle überhaupt annehme.Ich muss meine eigene Interpretation dieser Person finden können. Wenn mir das nicht gelingt, weiß ich nicht, wie ich sie authentisch zum Leben erwecken soll.Ich muss die Figur verstehen. Selbst wenn sie mir persönlich überhaupt nicht ähnelt, muss ich nachvollziehen können, was sie antreibt und warum sie so ist, wie sie ist.Deshalb beginne ich damit, mir genau diese Fragen über die Figur zu stellen.
The Hollywood Reporter Germany: Glaubst du, dass man als etablierter Schauspieler mehr Freiheit gewinnt – oder entsteht dadurch eine ganz neue Art von Druck?
Tom Hopper: Ich glaube, es ist eine Mischung aus beidem.
Als ich mit der Schauspielerei angefangen habe, ging es zunächst einfach darum, überhaupt einen Job zu bekommen. Wirklich jeden Job, der mir die Möglichkeit gegeben hat, professionelle Erfahrung zu sammeln.Aber im Laufe meiner Karriere wurde mir klar, dass ich bei der Auswahl meiner Rollen sehr viel bewusster vorgehen musste, wenn ich langfristig in dieser Branche arbeiten wollte.Heute entscheide ich mich deshalb nur noch für Rollen, von denen ich überzeugt bin, dass sie mich herausfordern werden.Außerdem achte ich sehr genau darauf, welche Menschen an einem Projekt beteiligt sind und welches Team dahintersteht.Ein gesundes, positives Arbeitsumfeld am Set zu schaffen, hat für mich oberste Priorität.
TEAM CREDITS
Fotograf: Lens By Mi
Styling: Kimberly Goodnight
Grooming: Ken Niederbaumer mit Produkten von Kiehl’s Skincare und The Exclusive Alpha Haircare
Talent: Tom Hopper
Outfit: Kuttah

