Crunchyroll bringt Versionen seines Anime-Streamingdienstes nach Taiwan und Südkorea, die speziell an diese Länder angepasst sind. Damit geht das stetig wachsende Anime-Geschäft der Sony Group den nächsten Schritt in seiner mehrjährigen Expansion. Präsident Rahul Purini kündigte die Pläne auf der APOS-Medienkonferenz in Bali an: Taiwan soll bereits in diesem Sommer starten, Südkorea folgt später im Jahr 2026.
„Asien hat für Crunchyroll Priorität, weil hier einige der leidenschaftlichsten Anime-Communitys der Welt zu Hause sind“, sagte Purini in einem Kamingespräch. Er ordnete die Expansion als Teil der langjährigen Mission des Unternehmens ein, „der beste Ort für Fans zu sein, Anime zu erleben – ganz gleich, wo sie sich befinden“.
Laut Unternehmen erhalten Fans in Taiwan bereits in diesem Sommer Zugang zu einem großen Teil des Katalogs sowie zum Simulcast-Angebot der Plattform. Südkorea soll später im Jahr 2026 folgen. In den vergangenen drei Jahren expandierte Crunchyroll bereits nach Indien und Thailand und baute sein Angebot dort auf lokalisierten Benutzeroberflächen, umfangreichen Synchronfassungen sowie Community-Veranstaltungen vor Ort auf, die das Kerngeschäft Streaming ergänzen.
Crunchyroll führt deutliche Zuwächse beim Nutzerengagement auf diesen stark lokalisierungsorientierten Ansatz zurück. In Indien – einem der weltweit am schnellsten wachsenden Märkte des Unternehmens – umfasst das Angebot inzwischen mehr als 900 Titel und über 180 Synchronfassungen in Hindi, Tamil und Telugu. Synchronisierte Inhalte machen dort laut Unternehmen mehr als 65 Prozent der Abrufe aus, während sich die gesamte Sehdauer auf das 3,5-Fache erhöht hat. In Thailand, wo Crunchyroll im Februar einen vollständig lokalisierten Dienst startete, hat sich die Zuschauerzahl nach Unternehmensangaben vervierfacht. Das Land belegt inzwischen weltweit Rang vier beim Anime-Engagement. Dazu beigetragen habe insbesondere Demon Slayer: Kimetsu no Yaiba – Infinity Castle, der dort zum erfolgreichsten japanischen Film sowie zum umsatzstärksten Animationsfilm aller Zeiten geworden sei.
Die Expansion in Asien ist Teil einer umfassenderen Anime-Strategie, die die Sony Group zu einer zentralen Unternehmenspriorität gemacht hat. Sony übernahm Crunchyroll 2020 von AT&T für 1,18 Milliarden US-Dollar und integrierte den Dienst anschließend in Funimation, den bereits zuvor erworbenen Pionier des Anime-Streamings. Der vollständig integrierte Dienst zählt heute mehr als 21 Millionen Abonnenten und wird als Joint Venture von Sony Pictures Entertainment und Aniplex betrieben, der Anime-Produktionssparte von Sony Music Entertainment in Japan.
Die Investmentbank Jefferies prognostiziert, dass der globale Anime-Markt bis 2030 auf 60,1 Milliarden US-Dollar wachsen wird – nach 22 Milliarden US-Dollar im Jahr 2023. Sonys Weitblick in diesem Segment zeigte sich besonders deutlich im vergangenen Jahr mit der Veröffentlichung von Infinity Castle. Der Film spielte weltweit mehr als 700 Millionen US-Dollar ein und wurde zum erfolgreichsten japanischen Film aller Zeiten. Außerhalb Japans fungierte Crunchyroll dabei als Mitvertriebspartner.

