Chase Stokes

Nach sechs Staffeln heißt es Abschied nehmen von den Pogues. Mit der finalen Staffel von „Outer Banks“ endet eine der erfolgreichsten Young- Adult-Serien von Netflix und für Chase Stokes ein Kapitel, das nicht nur seine Karriere, sondern sein gesamtes Leben verändert hat.

Als John B wurde der US-Schauspieler praktisch über Nacht einem weltweiten Publikum bekannt und zum Gesicht einer Serie, die aus Freundschaft, Freiheit und Abenteuer ein eigenes Lebensgefühl machte. Was 2020 als Geschichte über eine Gruppe von Freunden an der Küste North Carolinas begann, entwickelte sich zu einem globalen Phänomen.

Für Stokes bedeutete der Erfolg jedoch weit mehr als Millionen Fans und internationale Bekanntheit. Über Jahre wuchs er gemeinsam mit seiner Figur, erlebte mit seinen Co-Stars fünfzig Episoden voller Abenteuer und musste gleichzeitig lernen, was es bedeutet, wenn aus einem Schauspieljob plötzlich ein 24/7-Leben in der Öffentlichkeit wird. Nun ist der Moment gekommen, John B loszulassen. Im Gespräch mit The Hollywood Reporter Germany erzählt Chase Stokes, wann ihm das Ende von „Outer Banks“ wirklich bewusst wurde, warum „Pogues for Life“ für ihn längst mehr als ein Serienslogan ist und welche Schattenseiten der plötzliche Ruhm mit sich brachte. Und während sich eines der prägendsten Kapitel seiner Karriere schließt, wartet das nächste bereits: Mit der AMC- Serie „Thunder Road“ steht ein neues Projekt bevor – und mit „I Told the Sunset About You“ bereitet Stokes sein Regiedebüt vor.

Chase Stokes | Foto: Tia Page

Du hast John B mehrere Jahre lang gespielt. Wann hast du wirklich realisiert, dass du zum letzten Mal in diese Rolle schlüpfen würdest?
Chase Stokes: So richtig wurde mir das gegen Ende November bewusst. Wir hatten begonnen, die Dreharbeiten mit einigen Castmitgliedern abzuschließen, und da wurde mir plötzlich klar, dass dieser Moment auch für mich unmittelbar bevorstand.

Als du damals für „Outer Banks“ vorgesprochen hast: Hättest du dir vorstellen können, dass diese Rolle dein Leben einmal so grundlegend verändern würde?
cs: Ich glaube nicht, dass irgendein Künstler einen Job mit dem Gedanken annimmt: „Das wird jetzt der eine sein, der für mich alles verändert.“ Zumindest war das bei mir nie so. Ich versuche einfach immer, im Moment zu bleiben und die Reise zu genießen. Also nein, ich hatte keinerlei Vorstellungen davon, was da auf mich zukommen würde.

Chase Stokes | Foto: Tia Page

Die Pogues haben immer nach dem Motto „P4L“ – „Pogues for Life“ – gelebt. Nachdem ihr auch abseits der Kamera so viel miteinander erlebt habt: Hat dieser Satz heute eine andere Bedeutung für dich?
cs: Ich finde es großartig zu sehen, dass P4L inzwischen weit über das hinausgeht, was wir auf dem Bildschirm geschaffen haben. Es ist zu einer Art Lebensgefühl geworden. Ich höre von Menschen, die wegen der Serie näher ans Meer gezogen sind, wieder Kontakt zu alten Freunden aufgenommen haben oder sich spontan in neue Abenteuer gestürzt haben.Zu wissen, dass die Serie Menschen dazu bringt, sich für diejenigen zu entscheiden, die sie lieben, sich den Dingen zu stellen, vor denen sie Angst haben, und ihnen nachzugehen – und das Leben mit einer gewissen unbekümmerten Abenteuerlust zu führen, natürlich im positiven Sinne –, ist wirklich etwas Magisches. Ich glaube, dieses Gefühl werde ich immer in mir tragen, genauso wie viele Menschen da draußen.

Die Chemie zwischen den Pogues war immer einer der Gründe, warum die Serie so gut funktioniert. Wie viel von dem, was wir auf dem Bildschirm sehen, wurde irgendwann zu echter Freundschaft und war nicht mehr nur Schauspiel?
cs: Ein großer Teil davon ist definitiv unsere Freundschaft. Gleichzeitig möchte ich aber nicht unterschätzen, wie viel Arbeit und Professionalität es braucht, diese Verbindung über 50 Episoden hinweg glaubwürdig auf den Bildschirm zu bringen. Wir haben sehr hart daran gearbeitet, diese Figuren zum Leben zu erwecken.

Chase Stokes | Foto: Tia Page

Mit der Serie kam der Ruhm ziemlich schnell. Was war für dich am schwierigsten daran, dich plötzlich daran zu gewöhnen, beinahe überall erkannt zu werden?
cs: Ich glaube, jede große Veränderung im Leben ist auf ihre Weise schwierig.
Es gibt unglaublich schöne und bereichernde Seiten daran, wenn Menschen deine Arbeit lieben, aber es bringt eben auch Herausforderungen mit sich. Am schwierigsten war für mich wahrscheinlich, dass Menschen plötzlich so viel über einen wissen – auf eine Art, mit der man vorher überhaupt nicht rechnet. Und weil sie das Gefühl haben, einem sehr nahezustehen, kann es passieren, dass das Internet sofort über dich herfällt, wenn du nicht bei jeder Begegnung herzlich und gut gelaunt bist. Das ist kein Nine-to-five-Job. Es ist ein 24/7-Job.

Du hast die komplette Entwicklung eines weltweiten Netflix-Hits miterlebt – von der ersten Staffel, bei der ihr keine Ahnung hattet, ob sie überhaupt jemand sehen würde, bis zum Abschied Jahre später. Was hat dich diese Erfahrung über Erfolg gelehrt?
cs: Ich glaube, alles kommt in Wellen. Nicht jeder Teil dieser Erfahrung war ein Märchen. Es gibt Höhen und Tiefen, genau wie bei allem anderen im Leben. Das Wichtigste, was ich daraus gelernt habe, ist wahrscheinlich, dass unrealistische Erwartungen früher oder später zwangsläufig enttäuscht werden. Deshalb sollte man einfach den Kopf unten halten, sich den Arsch abarbeiten und die Arbeit für sich sprechen lassen.

Was kommt jetzt für Chase Stokes? Woran arbeitest du gerade, worauf du dich besonders freust und was die Zuschauer unbedingt sehen sollen?
cs: Als Nächstes starte ich mit der Produktion der neuen AMC-Serie „Thunder Road“. Ich freue mich wahnsinnig auf diese Welt und auf die Figur, die ich darin spielen werde.
Außerdem werde ich im kommenden Jahr mit dem Film „I Told the Sunset About You“ mein Regiedebüt geben. Ich habe also gerade ziemlich viel um die Ohren – aber auf die bestmögliche Art.

Chase Stokes | Foto: Tia Page

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