Mit dem Kinostart von „The Odyssey“ ist es Zeit, Christopher Nolans Filmografie neu zu bewerten – vom schwächsten bis zum stärksten Werk.
Keine leichte Aufgabe. Anders als bei den fünf „Indiana Jones“-Filmen oder den sieben „Mission: Impossible“-Abenteuern umfasst Nolans Schaffen inzwischen 13 sehr unterschiedliche Filme: historische Dramen („Dunkirk“, „Oppenheimer“), Science-Fiction-Thriller („Interstellar“, „Tenet“), Mysteryfilme („The Prestige“, „Memento“) und seine gefeierte Batman-Trilogie.
Der Oscar-Preisträger hat sich im Laufe seiner Karriere zu einem der bedeutendsten Filmemacher der Gegenwart entwickelt – zu einem der wenigen Regisseure, die am Startwochenende zuverlässig die Kinos füllen und zu den letzten großen Vertretern anspruchsvollen Mainstream-Kinos zählen.
Hier sind alle Christopher-Nolan-Filme – vom schwächsten bis zum besten.
Platz 13. „Insomnia“ (2002)
Es sagt viel über Nolan aus, dass selbst sein „schwächster“ Film immer noch sehenswert ist.
„Insomnia“ ist ein Remake des norwegischen Originals und zugleich der einzige Film, bei dem Nolan Regie führte, ohne am Drehbuch beteiligt zu sein.
Al Pacino spielt einen erfahrenen Detective aus Los Angeles, der gemeinsam mit einer Ermittlerin aus einer Kleinstadt (Hilary Swank) einen Mord im abgelegenen Alaska aufklären soll.
Der Film ist ein stimmungsvoller Krimi, besitzt jedoch nicht die für Nolan typische erzählerische Ambition und wirkt eher wie eine solide Auftragsarbeit.
Platz 12. „Tenet“ (2020)
John David Washington überzeugt als Geheimagent – schlicht „der Protagonist“ genannt –, der einen Dritten Weltkrieg verhindern soll: einen Krieg zwischen Gegenwart und Zukunft.
„Tenet“ bündelt nahezu alle Eigenheiten Nolans in maximaler Ausprägung: eine überwältigende Tonmischung, die Dialoge oft überdeckt, stilvolle, aber etwas blasse Figuren sowie eine Handlung, deren Zeitverschachtelungen stellenweise unnötig kompliziert wirken.
Dennoch sammelt der Film Pluspunkte für seine eindrucksvolle Optik, seinen markanten Sound und den Versuch, dem Zeitreise-Genre eine originelle Note zu verleihen.
Platz 11. „Following“ (1998)
Nolans Spielfilmdebüt entstand für lediglich rund 6.000 Dollar und ließ bereits das außergewöhnliche Talent des damals erst Mitte zwanzigjährigen Regisseurs erkennen.
Der Schwarzweißfilm greift Themen auf, die Nolan jahrzehntelang weiterverfolgen sollte: einen besessenen Einzelgänger, der nach strengen Regeln lebt und sich von der Gesellschaft entfremdet hat.
Im Mittelpunkt steht ein Mann, der Fremden durch London folgt – bis er seine eigene Regel bricht, niemals derselben Person zweimal zu folgen.
Mit nur 70 Minuten Laufzeit wird gelegentlich diskutiert, ob der Film überhaupt Spielfilmlänge besitzt. Für Nolan besteht daran kein Zweifel.
Platz 10. „The Dark Knight Rises“ (2012)
Tom Hardy liefert als bedrohlicher Bane eine hervorragende Leistung und meistert die schwierige Aufgabe, Heath Ledgers Joker nachzufolgen.
Zu den Höhepunkten zählen die spektakuläre Flugzeugentführung zu Beginn sowie Bruce Waynes Prüfungen in der Grube.
Der Film verdient Anerkennung für seinen großen erzählerischen Anspruch: Dass Kriminelle Gotham monatelang vollständig kontrollieren, ist eine ungewöhnlich mutige Idee – sofern man nicht allzu lange darüber nachdenkt, warum sich die gesamte Polizei so praktisch im Abwassersystem einschließen lässt.
Ein würdiger Abschluss der Batman-Trilogie – wenn auch nicht ihr Höhepunkt.
Platz 9. „Memento“ (2000)
Der Film, der Nolan endgültig bekannt machte.
Guy Pearce spielt einen Mann, der keine neuen Erinnerungen mehr bilden kann und den Mord an seiner Frau aufklären will.
Der raffiniert konstruierte Noir-Thriller bewies erstmals, wie geschickt Nolan anspruchsvolle Erzählstrukturen mit einem zugänglichen Genrefilm verbinden kann – und endet auf unvergessliche Weise.
Platz 8. „Dunkirk“ (2017)
Bereits die Eröffnungssequenz zeigt Nolans außergewöhnliches handwerkliches Können.
Die Evakuierung britischer Soldaten aus Dünkirchen entwickelt sich zu einer Folge meisterhaft inszenierter Spannungsmomente.
Dennoch bleiben viele Figuren emotional schwer greifbar und austauschbar, wodurch trotz aller filmischen Brillanz eine gewisse Distanz bestehen bleibt.
Platz 7. „Batman Begins“ (2005)
Der erste Teil der Trilogie markierte nicht nur den gelungenen Neustart von Batman, sondern definierte das Superheldengenre neu.
Christian Bale etablierte sich sofort als überzeugender Dunkler Ritter, während Michael Caine bis heute als bester Alfred der Filmgeschichte gilt.
Lediglich das Finale verliert etwas an Schwung.
Platz 6. „Inception“ (2010)
Ab diesem Punkt folgt in Nolans Filmografie praktisch nur noch Spitzenklasse.
Leonardo DiCaprio spielt einen Spezialisten, der Informationen aus dem Unterbewusstsein anderer Menschen stiehlt.
Visuell überwältigend, erzählerisch hochkomplex und mit einem der berühmtesten offenen Enden der Filmgeschichte zählt „Inception“ zu Nolans originellsten Blockbustern.
Hans Zimmers Musik – insbesondere das Stück „Time“ – gehört zu den eindrucksvollsten Filmmusiken des Komponisten.
Platz 5. „Interstellar“ (2014)
Christopher Nolan wird häufig vorgeworfen, ein emotional distanzierter Regisseur zu sein.
„Interstellar“ widerlegt diese Kritik eindrucksvoll.
Matthew McConaughey spielt einen Astronauten, der seine Tochter zurücklassen muss, um eine neue Heimat für die Menschheit zu finden.
Trotz einiger erzählerischer Schwächen verbindet der Film überwältigende Science-Fiction-Bilder mit großer emotionaler Wucht und genießt heute einen noch besseren Ruf als bei seinem Kinostart.
Platz 4. „The Prestige“ (2006)
Basierend auf dem Roman von Christopher Priest erzählt der Film die Geschichte zweier rivalisierender Magier um die Jahrhundertwende.
Christian Bale, Hugh Jackman und Michael Caine liefern herausragende Leistungen.
Das Drehbuch von Christopher und Jonathan Nolan verbindet raffinierte Erzähltechnik mit einem der besten Schluss-Twists in Nolans Karriere.
Im Laufe der Jahre entwickelte sich „The Prestige“ zu einem der beliebtesten Filme unter Nolan-Fans.
Platz 3. „Oppenheimer“ (2023)
Ja, der Film ist lang. Ja, er ist stellenweise sehr dialoglastig.
Und dennoch schuf Nolan mit „Oppenheimer“ eines seiner bedeutendsten Werke.
Er erzählt nicht nur die Geschichte des Vaters der Atombombe, sondern erinnert eindringlich an die Gefahren von Massenvernichtungswaffen.
Ludwig Göranssons Filmmusik gehört zu den besten der Nolan-Filmografie, und die Szene nach dem Trinity-Test zählt zu den eindrucksvollsten und emotional stärksten Momenten, die Nolan je inszeniert hat.
Platz 2. „The Odyssey“ (2026)
Mit all seinen filmischen Fähigkeiten gelingt Nolan etwas scheinbar Unmögliches: Er macht Homers fast 2.800 Jahre altes Epos zu einem modernen, zugleich geerdeten Kinoerlebnis.
Die hochkarätige Besetzung und der enorme Aufwand der praktischen Dreharbeiten erinnern an die monumentalen Sandalenfilme der 1950er- und 1960er-Jahre wie „Spartacus“ oder „Ben Hur“.
Während Matt Damons Odysseus ein spektakuläres Abenteuer nach dem anderen erlebt, hält Anne Hathaways Penelope auf Ithaka ihre aufdringlichen Freier in Schach.
Wenn beide Handlungsstränge schließlich aufeinandertreffen, verzichtet Nolan auf intellektuelle Spielereien und liefert stattdessen großes, klassisches Abenteuerkino.
Solche Filme werden heute kaum noch gedreht.
Platz 1. „The Dark Knight“ (2008)
Um den Joker zu zitieren: Dieser Film macht einfach „zu viel Spaß“.
„The Dark Knight“ bleibt der beste Superheldenfilm aller Zeiten.
Heath Ledger liefert als Joker eine legendäre, posthum mit dem Oscar ausgezeichnete Darstellung, die den gesamten Film prägt – obwohl die Figur nur 33 der insgesamt 152 Minuten auf der Leinwand zu sehen ist.
Das Drehbuch steckt voller ikonischer Dialoge, sämtliche Nebendarsteller überzeugen, Hans Zimmers Musik erzeugt permanente Spannung, und die Actionszenen wirken realistisch und kraftvoll.
Mit einem weltweiten Einspielergebnis von über einer Milliarde Dollar wurde „The Dark Knight“ zu Nolans erstem Milliardenhit – und übertraf das Ergebnis von „Batman Begins“ um mehr als das Doppelte.
Viele Nolan-Filme sind lang. Doch dies ist einer, von dem man sich wünscht, er würde niemals enden.
Aaron Couch hat zu diesem Beitrag beigetragen.

