Chris Pang über Hollywood, neue Projekte und den Schritt hinter die Kamera

Im Gespräch mit The Hollywood Reporter Germany spricht Pang über Wendepunkte seiner Karriere, die Herausforderungen des Schauspielberufs, seine Leidenschaft für Genre-Filme und warum Repräsentation für ihn bis heute eine zentrale Rolle spielt.

Mit Rollen in Crazy Rich Asians, Charlie’s Angels und zuletzt Palm Royale hat sich Chris Pang als vielseitiger Schauspieler in Hollywood etabliert. Doch längst beschränkt er sich nicht mehr nur auf die Arbeit vor der Kamera. Neben neuen Schauspielprojekten entwickelt er eigene Stoffe, schreibt an einem Crime-Thriller und arbeitet an einem Biopic über den Hollywood-Pionier Sessue Hayakawa. Im Gespräch mit The Hollywood Reporter Germany spricht Pang über Wendepunkte seiner Karriere, die Herausforderungen des Schauspielberufs, seine Leidenschaft für Genre-Filme und warum Repräsentation für ihn bis heute eine zentrale Rolle spielt.

Rückblickend auf deine bisherige Karriere: Gab es einen Moment, in dem du das Gefühl hattest, dass sich als Schauspieler wirklich etwas verändert hat?
Chris Pang: Ehrlich gesagt war es eher eine allmähliche Entwicklung, die sich über die Jahre aufgebaut hat. Es gab aber ein paar Schlüsselmomente. Der erste hatte mit meinem Handwerk zu tun. Am Anfang war alles überwältigend. Ich war so sehr damit beschäftigt, überhaupt Rollen zu bekommen und genau das abzuliefern, was bei einem Casting verlangt wurde – also das, was auf dem Papier stand. Irgendwann wurde ich daran erinnert, warum ich überhaupt mit der Schauspielerei angefangen habe: wegen der Freude daran. Ich habe aufgehört, einfach nur zu versuchen, dass eine Szene funktioniert, und angefangen, Figuren zu erschaffen, die ich selbst gerne spielen würde. Ich hatte wieder Spaß. Und das Lustige war: In dem Moment, in dem es für mich Spaß gemacht hat, wurde es offenbar auch für andere interessanter anzusehen. Ab da bekam ich mehr Rollen.
Und natürlich war da Crazy Rich Asians. Der Film hat mich auf die Landkarte gesetzt und Türen geöffnet, die ich allein niemals hätte öffnen können. Noch wichtiger war aber, dass sich die Art der Gespräche verändert hat, zu denen ich eingeladen wurde. Ich habe nicht mehr nur für Chancen vorgesprochen, sondern wurde gefragt, bei deren Gestaltung mitzuwirken. Da wurde aus der Hoffnung auf den nächsten Job plötzlich eine Karriere, die ich langfristig planen konnte.

Chris Pang trägt ein Outfit von Paul & Shark und eine Tasche von Serapian Milano | Foto: Lens By Mi

Du hast in ganz unterschiedlichen Genres gearbeitet – von Action über Komödie bis hin zu Drama. Welche Rollen reizen dich heute am meisten?
Chris Pang: Rollen, die komplex sind und mir erlauben, Geschichten auf unerwartete Weise zu tragen – all die Dinge, die Schauspieler lieben. Meine Eltern sind beide Martial-Arts-Lehrer und unterrichten Wing Chun Kung Fu. Ich bin mit Martial-Arts-Filmen aufgewachsen und sie bedeuteten mir alles. Als ich nach Hollywood kam, hatte ich große Angst, als Martial-Arts-Darsteller abgestempelt zu werden. Ich glaube sogar, dass ich in die entgegengesetzte Richtung ausgeschlagen bin. Dadurch habe ich mich selbst von düsteren, rauen Crime-Thrillern entfernt, obwohl genau das die Welten sind, die mich wirklich begeistern. Tatsächlich entwickle ich gerade meinen eigenen Triaden-Crime-Thriller. Das fühlt sich für mich wie eine Art Heimkehr an.

Was ist dir heute wichtiger: die Figur, die Geschichte oder die Menschen, mit denen du arbeitest?
Chris Pang: Ganz ehrlich: alles. Jeder dieser Aspekte spricht einen anderen Teil von mir an. Die Figur ist der kreative Spaß – das ist der Künstler in mir. Die Geschichte wiederum steht für die Botschaft und den Sinn eines Projekts. Sie muss mit meinen eigenen Werten und meiner Mission übereinstimmen, sonst kann ich nicht rechtfertigen, Teil davon zu sein. Und die Menschen entscheiden darüber, ob sich ein Projekt wie Arbeit oder wie Spiel anfühlt. In dieser Phase meines Lebens werden die Menschen, mit denen ich arbeite, immer wichtiger. Am liebsten wäre ich nur noch mit Freunden am Set.

Chris Pang trägt ein Outfit von Paul & Shark | Foto: Lens By Mi

Hollywood verändert sich rasant. Nach welchen Geschichten sehnen sich Zuschauer deiner Meinung nach aktuell?
Chris Pang: Das ist die Millionen-Dollar-Frage. Wenn ich die Antwort darauf wüsste, wäre ich wahrscheinlich der erfolgreichste Filmemacher der Welt. Ich kann nur sagen, was ich selbst sehen möchte. Die Welt ist momentan ein ziemlich düsterer Ort, und ich suche in Filmen nach Eskapismus. Ich möchte Spaß haben. Ich möchte unterhalten werden. Ehrlich gesagt liebe ich Genre-Filme. Genau solche Rollen werden mir aber oft gar nicht angeboten. Das ist einer der Gründe, warum ich inzwischen selbst Projekte entwickle. Momentan bekommen wir viele Fortsetzungen und Remakes. Ich glaube, wir sehnen uns nach neuen Geschichten, die uns für ein paar Stunden an einen anderen Ort entführen.

Gab es eine Rolle, die dich persönlich oder beruflich stärker gefordert hat, als du erwartet hattest?
Chris Pang: Definitiv meine Rolle in Palm Springs. Ich kann Komödien spielen, aber ich bin kein Komiker. Und an diesem Set war ich von absoluten Comedy-Genies umgeben, darunter ehemalige Saturday Night Live-Darsteller, die einfach immer lustig sind.
Es gibt einen Moment, den ich nie vergessen werde. Ich kam ans Set, alle Kameras waren auf mich gerichtet, und man sagte mir, ich solle einfach zwei Minuten improvisieren. Da wurde mir plötzlich klar, dass ich gerade versuche, vor 200 Hochzeitsgästen als Statisten – und vor Andy Samberg und J.K. Simmons – lustig zu sein. Das war ziemlich einschüchternd.

Chris Pang trägt Jacke und Shirt von Vuori, eine Hose von Rails und Boots von Boss | Foto: Lens By Mi

An welchen Projekten arbeitest du aktuell? Gibt es etwas, womit du das Publikum überraschen könntest?
Chris Pang: Ich befinde mich gerade in einer Phase, in der jedes Projekt die Vorstellung davon erweitern soll, was für ein Künstler ich sein kann. Meine kommende Serie The Season gehört dazu. Dort spiele ich einen charismatischen Unsympathen – einen dieser Typen, die man entweder liebt zu hassen oder hasst, obwohl man sie irgendwie mag. Es ist eine der unterhaltsamsten Figuren, die ich je gespielt habe.
Die eigentliche Überraschung ist aber, dass ich nicht mehr nur schauspielere. Ich entwickle beispielsweise ein Biopic über Sessue Hayakawa, den erfolgreichsten und berühmtesten Schauspieler des alten Hollywood, von dem heute kaum jemand gehört hat. Das möchte ich ändern. Und natürlich arbeite ich an meinem Crime-Thriller. Das ist der eigentliche Wandel. Jahrelang habe ich darauf gewartet, dass die richtigen Rollen zu mir kommen. Heute erschaffe ich sie selbst.

Worauf achtest du bei der Auswahl eines Projekts?
Chris Pang: Eigentlich sollte ich darüber nachdenken, wie viel Geld ich verdienen werde oder ob ein Projekt meiner Karriere hilft. Aber das tue ich nicht. Ich entscheide rein nach Gefühl und danach, ob mich etwas künstlerisch erfüllt. Das ist vermutlich der egoistischste Grund überhaupt, Ja zu sagen. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum ich mir meinen Porsche GT3 immer noch nicht leisten kann – und das ist eigentlich alles, was ich im Leben will.

Was begeistert dich nach all den Jahren noch immer an der Schauspielerei?
Chris Pang: Die Vorstellung, dass irgendwo auf der anderen Seite der Welt jemand einen Charakter sieht, den ich erschaffen habe, und sich darin wiederfindet. Als Kind hatte ich kaum Figuren, mit denen ich mich identifizieren konnte. Dadurch fühlte ich mich oft wie ein Außenseiter und hatte nicht das Gefühl, wirklich dazuzugehören.
Heute kann ich dazu beitragen, dass Menschen sich repräsentiert fühlen. Wenn ein Kind jemanden auf der Leinwand sieht, der ihm ähnlich sieht, und dadurch leichter seinen Platz in der Welt findet, dann komme ich meinem größten Traum ein Stück näher. Jedes Mal, wenn ich ein Set betrete.

Chris Pang trägt eine Jacke von Vuori und eine Hose von Rails | Foto: Lens By Mi

Du hast international und in unterschiedlichen Kulturen gearbeitet. Hat das deinen Blick auf Storytelling verändert?
Chris Pang: Absolut. Ich war tatsächlich mehrere Monate in Berlin, um Charlie’s Angels zu drehen. Ich glaube, wir hatten dort vielleicht sogar ein bisschen zu viel Spaß. Ich habe eine echte Schwäche für diese Stadt.
Je mehr ich reise, desto deutlicher wird mir allerdings: Egal, wo ein Film entsteht oder für welchen Markt er gemacht wird, die emotionalen Konflikte sind universell. Am Ende geht es immer um das Menschsein. Man kann kulturelle Unterschiede und Grenzen wegnehmen – und darunter sind wir alle sehr ähnlich. Das ist das Herz jeder Geschichte. Die Verpackung verändert sich, der Kern nicht.

Was verstehen Menschen häufig falsch am Leben eines Schauspielers in Hollywood?
Chris Pang: Mir war schon vor meinem Einstieg bewusst, dass Schauspielerei einer der schwierigsten Berufe überhaupt ist. Ich wusste nur nicht, wie schwierig. Man muss lernen, mit langen Phasen ohne Arbeit, mit Ablehnung, Einsamkeit und Unsicherheit umzugehen. Es gibt keinen festen Karriereweg und keine Garantie auf Erfolg.
Auf der anderen Seite gibt es kaum etwas Schöneres, als ein fertiges Projekt zu sehen und zu wissen: Ich habe das geschafft. Vielleicht unterschätzen viele Menschen den Raum, in dem Schauspieler ständig leben – zwischen dem höchsten Hoch und dem tiefsten Tief. Genau da bewegen wir uns die ganze Zeit.

Fotograf: Lens By Mi
Styling: Kimberly Goodnight
Groomer: Lucy Gargiulo für Exclusive Artists mit Produkten von Armani Beauty und Oribe
Production: Kam

 

 

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