BABO – Die Haftbefehl-Story

BABO – Die Haftbefehl-Story ist keine Glorifizierung, sondern ein ehrlicher Blick auf Aufstieg, Absturz und Selbstfindung. Mit Interviews: Produzent Elyas M’Barek & Pacco- Luca Nitsche sowie Regisseur Sinan Sevinç & Juan Moreno

Für die einen ist er der Chronist der Straße, für andere ein Symbol für eine Generation, die zwischen Ghetto, Glanz und gesellschaftlicher Unsichtbarkeit aufgewachsen ist. Jetzt bekommt Aykut Anhan, besser bekannt als Haftbefehl, die Bühne, die seiner Geschichte gerecht wird – nicht im Studio, sondern auf Netflix. Babo – Die Haftbefehl-Story ist ein radikal ehrlicher Dokumentarfilm, der tiefer geht, als es ein Song je könnte.

Über zwei Jahre begleiteten die Regisseure Juan Moreno – preisgekrönter Journalist und Autor von Tausend Zeilen Lüge – und Sinan Sevinç, mehrfach ausgezeichneter Regisseur, den Offenbacher Rapper mit der Kamera. Herausgekommen ist ein schonungsloses Porträt eines Mannes, der zwischen Ruhm und Abgrund pendelt, getrieben von den Dämonen seiner Vergangenheit. Armut, Kriminalität und Drogen prägten seine Jugend – Themen, die seine Musik roh, direkt und unverfälscht machten. Doch die Doku zeigt: hinter der Härte steckt ein Mensch, der längst selbst zur Legende geworden ist und den Preis dafür zahlt.

Babo | Die Haftbefehl Story

Besonders bemerkenswert ist, dass die Produktion das Debüt von Schauspieler Elyas M’Barek als Produzent markiert. Gemeinsam mit Pacco-Luca Nitsche gründete er die Firma 27 KM’B Pictures, unter deren Dach Babo – Die Haftbefehl-Story entstand. M’Barek war es auch, der die Idee einer klassischen Biopic-Verfilmung zu einer Dokumentation formte – nahbarer, authentischer, und näher an der Realität des Künstlers. Als kreativer Pate begleitete er den gesamten Entstehungsprozess, ohne die Distanz eines Außenstehenden: „Haftbefehl ist mehr als seine Musik – er ist ein Stück deutscher Gegenwartskultur“, so M’Barek.

Die Doku versammelt Wegbegleiter und Wegbereiter – von Xatar, Moses Pelham und Soufian bis Jan Delay, Peter Fox und Kool Savas. In Interviews, Archivaufnahmen und intimen Momenten entsteht ein Bild von Haftbefehl, das so vielschichtig ist wie seine Texte: verletzlich, wütend, reflektiert, poetisch.

Babo – Die Haftbefehl-Story ist keine Glorifizierung, sondern ein ehrlicher Blick auf Aufstieg, Absturz und Selbstfindung – erzählt in der Sprache der Straße, aber mit filmischer Präzision und emotionaler Tiefe. Eine Geschichte über Identität, Herkunft und die Frage, ob man je ganz loskommt von dem Ort, aus dem man stammt.

Seit dem 28. Oktober 2025 weltweit auf Netflix – roh, kompromisslos, unvergesslich.

Babo | Die Haftbefehl Story

Interview mit  Produzent Elyas M’Barek & Pacco- Luca Nitsche

THR: Ihr zeigt Haftbefehl nicht nur als Rapper, sondern auch als Mensch. Wie wichtig war euch diese persönliche Ebene im Gegensatz zum Mythos Hafti?

Pacco- Luca Nitsche: Ich glaube, das war mitentscheidend. Die oberflächliche Seite des Künstlers ist für jeden Zuschauer zugänglich, und solche Künstlerporträts oder Dokus gibt es schon viele. Unser Anspruch war von Anfang an, tiefer zu gehen – in den Charakter, den Menschen und die Geschichte dahinter. Ich glaube, wir hatten das Glück, großartige Regisseure zu haben, die genau das herausgeholt haben. Aber das war auch das, was Elyas und ich von Anfang an gesehen und zeigen wollten: die Tiefe, also den Menschen hinter dem Künstler und die Geschichte, die ihn zu dem gemacht hat, was er heute ist.

Elyas M’Barek: Das war tatsächlich eine großartige Teamarbeit. Unsere beiden Regisseure, unter anderem Juan Moreno, der es geschafft hat, mit Aykut eine enge Bindung aufzubauen und ihn über die Jahre so nah zu begleiten, haben dafür gesorgt, dass dieser Film fast schon zu nah wirkt. Beim Zuschauen bekommt man fast Angst – man möchte manchmal sogar wegsehen, weil es so intim ist.

Babo | Die Haftbefehl Story

Interview mit Regisseur Sinan Sevinç & Juan Moreno

THR: Gab es während der Dreharbeiten irgendwann einen Moment, in dem ihr dachtet, ihr seid zu nah dran und solltet lieber ein Stück zurücktreten?

Sinan Sevinç: Gar keine Frage, man braucht das nicht schönreden. Es war eine sehr intensive Zeit. Wir waren wirklich extrem nah dran, und manchmal, nach zwei oder drei Tagen Drehbegleitung, kam man nach Hause und brauchte erst mal eine Pause. Man hat das Gefühl, man altert schneller in der Gegenwart von Aykut, weil es ein extrem rasanter Lebensstil ist.

Juan Moreno: Auch im Schnitt, das alles noch mehrmals zu sehen.

Sinan Sevinç: Genau. Wir haben das ja nicht nur einmal erlebt, sondern uns das Material immer wieder angeschaut, erlebt, ausgesiebt und geschnitten. Das ist ein ewig langer Prozess. Und wie du schon sagst, die Reaktionen sind: „Boah, heftig!“ Es ist kein leichter Stoff. Aber es ist eine einmalige Reaktion und natürlich hatten wir diese Reaktion X Male, immer wieder aufs Neue.

Juan Moreno: Ich habe heute noch mal eine Szene gesehen, es ist bestimmt ein paar Wochen her, dass ich sie zuletzt gesehen hatte und dachte mir: Das kann doch nicht wahr sein… Vor allem wissen wir ja, was wir weggelassen haben, weil es einfach nicht zur Geschichte passte oder zu weit weggeführt hätte. Viele, die den Film jetzt sehen, glauben vielleicht, wir hätten Vollgas gegeben und überall draufgehalten. Aber jeder, der das Material kennt und weiß, was wir mit ihm erlebt haben, wird, glaube ich, spüren, was uns angetrieben hat, nämlich dieser aufrichtige und tiefe Respekt vor dieser Persönlichkeit.

 

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