Paris Murder Mystery

Ein vielschichtiges Spiel über Wahrheit, Zweifel und die Suche nach sich selbst im Schatten eines rätselhaften Todes.

Mit „Paris Murder Mystery“ legt die französische Regisseurin Rebecca Zlotowski einen ebenso eleganten wie vielschichtigen Film vor, der sich nicht auf ein Genre festlegen lässt. Zwischen Krimi, Komödie und psychologischem Drama entfaltet sich ein raffiniert komponiertes Spiel über Schuld, Wahrnehmung und die Verletzlichkeit unserer Überzeugungen.

Im Zentrum steht Lilian Steiner, gespielt von der zweifachen Oscar-Preisträgerin Jodie Foster. Die amerikanische Therapeutin lebt seit Jahren in Paris und führt ein scheinbar kontrolliertes, rational geordnetes Leben.

Jodie Foster und Virginie Efira in Paris Murder Mystery | Foto: Jerome Prebois

Doch als eine ihrer Patientinnen, Paula (Virginie Efira), unter rätselhaften Umständen stirbt, beginnt dieses sorgfältig aufgebaute Gleichgewicht zu kippen. War es wirklich Selbstmord – oder verbirgt sich hinter dem Tod ein Verbrechen?

Gemeinsam mit ihrem Ex-Mann Gabriel (Daniel Auteuil) beginnt Lilian zu ermitteln. Was zunächst wie eine klassische Spurensuche wirkt, entwickelt sich schnell zu einer persönlichen Reise. Mit jeder Spur, der Lilian folgt, rücken ihre eigenen Motive und Zweifel stärker in den Vordergrund.

Paris Murder Mystery | Foto: Jerome Prebois / Les Films Velvet

Rebecca Zlotowski interessiert dabei weniger die Auflösung eines Kriminalfalls als die innere Dynamik ihrer Hauptfigur. „Mich hat die Spannung zwischen dem, was wir von uns selbst wissen, und dem, was andere zu sehen glauben, von Anfang an fasziniert“, erklärt die Regisseurin. Der ursprüngliche Arbeitstitel „Vie privée“ („Privatleben“) verweist genau auf diese Reibungsfläche zwischen innerer Wahrheit und äußerer Wahrnehmung.

Ausgangspunkt war für Zlotowski ein Drehbuch von Anne Berest, das sie weiterentwickelte. Schnell kristallisierte sich eine Figur heraus, die von Schuldgefühlen getrieben ist und beginnt, ihre eigene Realität infrage zu stellen. „Diese Psychiaterin wird von dem Tod ihrer Patientin so erschüttert, dass sie nicht mehr an einen Selbstmord glauben kann. Sie beginnt zu ermitteln – aber letztlich untersucht sie sich selbst“, so Zlotowski.

Regiefoto Rebecca Zlotowski beim Dreh zu Paris Murder Mystery |Foto: Jerome Prebois / Les Films Velvet

Gerade diese Selbstbefragung macht den Film so ungewöhnlich. Lilian Steiner ist keine klassische „gebrochene Heldin“, sondern eine Frau, deren Stärke zur Schwäche wird. Ihre Rationalität, ihre Kontrolle – all das entpuppt sich als fragile Fassade. „Sie ist überfordert, aber nicht, weil sie instabil ist, sondern weil sie zu gefasst ist. Diese scheinbare Unerschütterlichkeit ist oft nur eine Maske“, sagt die Regisseurin.

Formal spiegelt sich diese Ambivalenz im Ton des Films wider. Zlotowski kombiniert pointierten Humor mit düsteren, fast traumartigen Sequenzen. Der Film bewegt sich leichtfüßig zwischen komischen Momenten und existenziellen Abgründen. „Es gibt in jedem Film auch eine Form der Beschwörung – ein gleichzeitiges ‘Bitte, lass mir das nie passieren’ und ‘Bitte, lass es doch passieren’“, beschreibt sie diese Doppelbewegung.

Jodie Foster in Paris Murder Mystery | Foto: George Lechaptois

Ein entscheidender Faktor für das Gelingen ist die Besetzung. Jodie Foster, die hier erstmals seit vielen Jahren wieder auf Französisch spielt, verleiht der Figur eine beeindruckende Präzision. Zlotowski war überzeugt, dass gerade Fosters doppelte kulturelle Verortung – amerikanische Sensibilität und perfektes Französisch – dem Film eine besondere Tiefe geben würde. „Ich kenne keine andere Schauspielerin, die einen Gedanken so sichtbar auf ihrem Gesicht entstehen lassen kann“, schwärmt sie.

Mathieu Amalric und Luàna Bajrami in Paris Murder Mystery | Foto: George Lechaptois

Das Zusammenspiel der Darsteller verstärkt die Spannungen innerhalb der Geschichte. Daniel Auteuil bringt als Ex-Mann Leichtigkeit und Wärme ein, Mathieu Amalric und Luàna Bajrami formen eine zweite, deutlich unruhigere Familienkonstellation. Zlotowski spricht selbst von „zwei Sternbildern“, die sich im Film gegenüberstehen.

„Paris Murder Mystery“ nutzt seine Krimihandlung vor allem als Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung mit seiner Hauptfigur: einer Frau, die gezwungen ist, ihre eigene Rolle neu zu betrachten – als Therapeutin, als ehemalige Partnerin und als jemand, der glaubte, die Dinge im Griff zu haben.

 

Es ist ein Werk über das Zuhören und das Sprechen, über das Sichtbare und das Verdrängte – und über die Frage, wie gut wir uns selbst wirklich kennen. Oder, wie Zlotowski es formuliert: „Der ganze Film wird zum Schauplatz eines Zweifels – und zu seinem möglichen Echo.“

Paris Murder Mystery Plakat | © Les Films Velvet

Thr Newsletter

Exklusive News, Interviews und Lifestyle-Stories aus Film, Serien, Musik und Kultur – direkt von The Hollywood Reporter Germany in dein Postfach

Mit Ihrer Anmeldung erhalten Sie unseren kostenlosen Newsletter mit Informationen und neuen Beiträgen aus unserem Online-Magazin. Sie können den Newsletter jederzeit über den Link in der E-Mail abbestellen. Hinweise zur Verarbeitung Ihrer Daten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

The Definitive Voice of Entertainment News | The Up & Coming Edition

Die deutsche Ausgabe des weltweit führenden Entertainment-Magazins – Issue 03 - als Printmagazin und als Digitalversion hier erhältlich.

Hier bestellen Subscribe now

Thr Newsletter

Exklusive News, Interviews und Lifestyle-Stories aus Film, Serien, Musik und Kultur – direkt von The Hollywood Reporter Germany in dein Postfach

Mit Ihrer Anmeldung erhalten Sie unseren kostenlosen Newsletter mit Informationen und neuen Beiträgen aus unserem Online-Magazin. Sie können den Newsletter jederzeit über den Link in der E-Mail abbestellen. Hinweise zur Verarbeitung Ihrer Daten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Most Popular