Jetzt ist es offiziell: Paramount übernimmt Warner Bros. Discovery in einem 111 Milliarden Dollar schweren Zusammenschluss – und setzt damit einen der größten Deals in der Geschichte der Unterhaltungsindustrie um. Nachdem Netflix am Donnerstag überraschend aus dem Rennen ausgestiegen war und sein zuvor vereinbartes 87,2-Milliarden-Dollar-Angebot als „nicht mehr finanziell attraktiv“ bezeichnete, war der Weg frei für Paramount.
Paramount-Chef David Ellison sprach von einem strategischen Schulterschluss mit klarer Mission: Das Erbe zweier ikonischer Unternehmen zu bewahren und zugleich eine Medien- und Entertainment-Firma der nächsten Generation aufzubauen. Durch die Bündelung der Studios, der sich ergänzenden Streaming-Plattformen und des kreativen Talents hinter beiden Häusern wolle man zusätzlichen Mehrwert für Publikum, Partner und Aktionäre schaffen.
Auch Warner-Bros.-Discovery-CEO David Zaslav zeigte sich zufrieden mit dem Ergebnis. Ziel sei es gewesen, für die Anteilseigner den größtmöglichen Wert der traditionsreichen Assets und des Studios zu sichern und zugleich Investoren größtmögliche Planungssicherheit zu geben. Nun freue man sich darauf, die Transaktion gemeinsam mit Paramount abzuschließen.
Die Struktur des Deals
Paramount zahlt 31 Dollar pro Aktie für Warner Bros. Discovery. Hinzu kommt eine sogenannte „Ticking Fee“ von 0,25 Dollar pro Quartal ab dem 30. September 2026, die an Aktionäre fließt – ein Mechanismus, der den Kaufpreis steigen lässt, sollte sich das regulatorische Prüfverfahren verlängern. Zudem wurde eine 7-Milliarden-Dollar-Regulierungsabbruchgebühr vereinbart, falls der Deal aus kartellrechtlichen Gründen scheitert.
Finanziell ist die Übernahme breit aufgestellt:
47 Milliarden Dollar an Eigenkapitalzusagen kommen von der Ellison-Familie und RedBird Capital. Weitere 54 Milliarden Dollar werden über Fremdfinanzierung von Bank of America, Citigroup und Apollo bereitgestellt. Paramount erklärte zudem, dass beim Closing zusätzliche strategische oder finanzielle Partner beteiligt sein könnten – Details dazu wurden jedoch nicht genannt. Frühere Bieter hatten unter anderem auf Mittel aus Staatsfonds aus dem Nahen Osten, Tencent sowie Jared Kushners Affinity Partners gesetzt.
Das Unternehmen rechnet mit einem Abschluss im dritten Quartal dieses Jahres – ein ambitionierter Zeitplan, der das Vertrauen in die regulatorische Genehmigung unterstreichen soll. Gleichzeitig hat Paramount die 2,8 Milliarden Dollar Vertragsstrafe übernommen, die Warner Bros. an Netflix zahlen musste, um aus dem unterschriebenen Deal auszusteigen. Umgekehrt müsste Warner Bros. Discovery 3 Milliarden Dollar an Paramount zahlen, sollte ein noch besseres Angebot angenommen werden.
Politische und regulatorische Prüfung
Der kalifornische Generalstaatsanwalt Rob Bonta hat bereits eine Untersuchung angekündigt und betont, dass die Prüfung „mit Nachdruck“ erfolgen werde. Die regulatorische Hürde gilt als entscheidender Faktor für den finalen Vollzug.
Zusagen an Hollywood
Um Bedenken in der Branche zu begegnen, machte Paramount mehrere Verpflichtungen öffentlich:
Beide Studios – Paramount und Warner Bros. – sollen weiterhin als eigenständige Marken bestehen bleiben. Geplant sind jeweils 15 Kinofilme pro Jahr, mit einem klaren 45-Tage-Kinofenster vor Premium-Video-on-Demand-Auswertung; bei besonders erfolgreichen Titeln sogar längere Exklusivzeiträume.
Zudem will das Unternehmen weiterhin Inhalte an Drittanbieter lizenzieren und selbst Programme von anderen Studios einkaufen.
Paramount rechnet mit 6 Milliarden Dollar Synergien, die durch technologische Integration, Effizienzsteigerungen, Kosteneinsparungen im Einkauf, Optimierung der Immobilienstruktur sowie operative Verschlankung erzielt werden sollen.
Folgen für die Branche
In Hollywood rechnet man dennoch mit spürbaren Umstrukturierungen – inklusive möglicher Stellenstreichungen. Auch Vermögenswerte könnten veräußert werden; die Frage, ob beide Studios ihre eigenen Studiolots in Los Angeles behalten, dürfte Teil künftiger strategischer Überlegungen sein.
Netflix-Co-CEOs Ted Sarandos und Greg Peters erklärten zum Rückzug ihres Angebots, man sei überzeugt gewesen, ein starker Hüter der Warner-Marken zu sein. Doch die Transaktion sei stets ein „Nice to have“ zum richtigen Preis gewesen – kein „Must have um jeden Preis“.
Mit dem 111-Milliarden-Dollar-Deal beginnt nun ein neues Kapitel für zwei der traditionsreichsten Studios Hollywoods – und für eine Branche, die sich inmitten tiefgreifender struktureller Veränderungen neu sortiert.

