Talent: Dan Stevens
Fotografin: Jana Schuessler Styling: Maegan Campbell
Grooming: Kristin Serafino (WSM W Schupfer) Styling Assistenz: Maisie Prince

Dan Stevens hat sich längst von jeder Erwartung verabschiedet, wie eine klassische Hollywoodkarriere auszusehen hat. Seit seinem internationalen Durchbruch mit Downton Abbey bewegt sich der britische Schauspieler scheinbar mühelos zwischen großen Studioproduktionen, Independentkino, Horror, Action und ungewöhnlichen Charakterrollen. Selbst einen kompletten Film auf Deutsch hat er mit Maria Schraders Ich bin dein Mensch gedreht.
Diese Lust am Unerwarteten führt ihn nun erneut zu Regisseur Adam Wingard. In Onslaught spielt Stevens einen ziemlich verrückten deutschen Wissenschaftler und setzt damit eine Zusammenarbeit fort, die bereits bei The Guest begann. Im Gespräch mit The Hollywood Reporter Germany erzählt er, warum Wingard ihn mit jedem gemeinsamen Film dazu bringt, noch ein bisschen seltsamer zu werden, weshalb ihn widersprüchliche Figuren besonders reizen und warum eine gute Rolle ihm auch heute noch genau das richtige Maß an Angst machen muss.

Interview
mit Dan Stevens
THR: „Onslaught“ ist wild, brutal und ganz bewusst größer als das Leben. Gab es beim ersten Lesen des Drehbuchs einen Moment, in dem du sofort wusstest: Da möchte ich unbedingt dabei sein?
Dan Stevens: Eigentlich musste ich dafür nicht einmal das Drehbuch lesen. Ich habe schon ein paar Mal mit Adam gearbeitet. The Guest haben wir vor zwölf oder dreizehn Jahren zusammen gemacht und ich glaube, ich würde für Adam fast alles machen. Als er zu mir sagte: „Wir haben da diese Rolle eines verrückten deutschen Wissenschaftlers für dich“, meinte ich nur: „So einen verrückten deutschen Wissenschaftler habe ich doch gerade erst in Cuckoo gespielt.“ Daraufhin wollte er den Film sehen. Er hat sich Cuckoo angeschaut und danach entschieden, dass wir es diesmal einfach noch verrückter machen müssen. Ich liebe es, mit Adam etwas zu wagen und dabei einfach sehr viel Spaß zu haben.

THR: Du hast mit Adam Wingard bereits bei „The Guest“ und „Godzilla x Kong“ gearbeitet. Was versteht er an dir als Schauspieler, das andere Regisseure vielleicht nicht auf die gleiche Weise sehen?
DS: Das ist eine gute Frage. Ich glaube, wir teilen einen sehr ähnlichen, ziemlich verdrehten Humor. Wir fanden zum Beispiel beide The Guest sehr lustig, während viele andere Menschen das überhaupt nicht so empfunden haben. Adam ermutigt mich eigentlich mit jedem Film dazu, noch ein bisschen seltsamer zu werden. Wir lieben ähnliche Arten von Filmen. In vielen seiner Arbeiten steckt auch eine gewisse Nostalgie. Deshalb verstehe ich meistens ziemlich gut, worauf er hinauswill. Und er weiß wiederum, wie er mich in genau diese Richtung bringen kann.

THR: Wenn man auf deine Karriere blickt, fällt auf, dass du häufig Figuren spielst, die an der Oberfläche charmant wirken und darunter etwas Seltsames, Gefährliches oder völlig Unberechenbares haben. Was reizt dich an diesem Widerspruch?
DS: Genau dieser Widerspruch ist es. Das macht solche Figuren so interessant zu spielen. Charaktere, die zunächst auf eine bestimmte Weise erscheinen und dann in Wahrheit ganz anders sind. Das kann jemand sein, der an der Oberfläche charmant wirkt, oder genau das Gegenteil. Vielleicht steckt darunter etwas Gutes, vielleicht auch nicht. Es entsteht eine Dynamik, mit der man spielen kann. Und für das Publikum gibt es dabei immer ein Element der Überraschung. Das macht mir großen Spaß.

THR: Du hast einmal erzählt, dass du gegen Ende der Dreharbeiten zu „Ich bin dein Mensch“ sogar auf Deutsch gedacht und geträumt hast. Wie viel Deutsch steckt heute noch in deinem Kopf? Und könnten wir dich zu einem weiteren deutschsprachigen Film überreden?
DS: Ja, auf jeden Fall. Das Deutsche ist immer irgendwo da. Manchmal dauert es nur ein bisschen, bis ich es wieder hervorholen kann. Bei Ich bin dein Mensch kam am ersten Drehtag jemand zu mir und fragte, ob die Regieassistenten und die Crew mit mir Deutsch oder Englisch sprechen sollten. Ich sagte: „Deutsch, schließlich spreche ich im Film auch Deutsch.“ Also haben während der gesamten Dreharbeiten über Monate hinweg alle ausschließlich Deutsch mit mir gesprochen.
Am letzten Drehtag waren wir auf einer Fähre auf dem Rückweg aus Holland. Der Film war abgedreht und plötzlich fingen alle an, Englisch zu sprechen. Ich war völlig überrascht und dachte: „Was soll das heißen? Ihr sprecht alle Englisch?“ Und sie sagten: „Natürlich, aber du hast doch gesagt, wir sollen mit dir Deutsch sprechen.“
Ich glaube, das ist die beste Art, eine Sprache zu lernen. Man muss komplett darin eintauchen und einfach sprechen. Deshalb spreche ich auch heute mit jedem Deutschen, den ich irgendwo auf der Welt treffe, sofort Deutsch. Ich nehme eigentlich jede Gelegenheit dazu wahr.

THR: Du hast Historien-dramen gedreht, psychologische Serien, Disney-Filme, Horror, Action, Independent-kino und sogar einen Film komplett auf Deutsch. Was muss dir eine Rolle heute noch bieten, damit sie dich im positiven Sinne nervös macht?
DS: Ein früherer Mentor von mir hat einmal gesagt, dass eine Rolle einem genau das richtige Maß an Angst machen sollte. Man sollte ein bisschen Angst davor haben, sie anzunehmen. Wenn sie einem zu viel Angst macht, kann man sie vielleicht nicht spielen. Wenn sie einem überhaupt keine Angst macht, wird es langweilig. Es braucht genau das richtige Maß. Ein Element der Überraschung, ein bisschen Spaß und meistens irgendetwas Seltsames oder Ungewöhnliches. Das sind die Dinge, die mich an einer Rolle reizen.


