„Avatar Aang: The Last Airbender“-Kritik: Atemberaubende Bilder treffen auf eine enttäuschende Erzählung im Film-Sequel zur Erfolgsserie

von Frank Scheck | Die neueste Inkarnation des Franchise wartet mit beeindruckender Animation und bekannten Stimmen wie Eric Nam und Steven Yeun auf.

Für Neueinsteiger ist der Einstieg in das „Avatar: The Last Airbender“-Universum eine durchaus einschüchternde Angelegenheit. Fans der ersten Stunde würden darauf bestehen, dass man sich zunächst vollständig mit der ursprünglichen Nickelodeon-Serie vertraut machen müsse, die von 2005 bis 2008 über drei Staffeln lief, um den neuen Animationsfilm wirklich würdigen zu können. Danach sollte man sich auch noch die animierte Nachfolgeserie The Legend of Korra ansehen. Hinzu kommen zahlreiche Comics, Videospiele, Buchadaptionen und natürlich die Realserie von Netflix.

Die viel gescholtene Realverfilmung von M. Night Shyamalan aus dem Jahr 2010 kann man hingegen getrost überspringen.

All das bedeutet: Diese Kritik zu „Avatar Aang: The Last Airbender“ – der bei Paramount+ startet und gleichzeitig einen begrenzten Kinostart erhält, um sich für die Oscar-Verleihung zu qualifizieren – dürfte eingefleischte Fans ohnehin nicht überzeugen. Viele haben den Film bereits durch Internet-Leaks gesehen und werden vermutlich ausführlich darüber diskutieren, ob er dem etablierten Kanon gerecht wird. Genau für solche Debatten wurde Reddit schließlich erfunden.

Die Handlung setzt nach den Ereignissen der Originalserie ein. Aang (gesprochen von Eric Nam) ist inzwischen erwachsen und der letzte Luftbändiger sowie Avatar. Er trifft erneut auf seine früheren Weggefährten Katara (Jessica Matten), Sokka (Roman Zaragoza), Toph (Dionne Quan) und Zuko (Steven Yeun), nachdem er von einem magischen Stab erfährt, der sein Volk vor der Auslöschung bewahren könnte.

Von diesem mystischen Artefakt erfährt Aang durch Tagah (Dave Bautista), einen weiteren Luftbändiger, den er eingefroren entdeckt und befreit. Schon bald stellt sich jedoch heraus, dass Tagah, der aus einer mehrere Jahrtausende zurückliegenden Epoche stammt, einige – vorsichtig ausgedrückt – problematische Eigenschaften besitzt. Es folgt eine Reihe gewalttätiger Auseinandersetzungen.

Um Zuschauer ohne Vorkenntnisse nicht zu überfordern, beginnt der Film mit einer Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse vor dem Vorspann sowie einer ausführlichen Kampfszene zwischen Aang und den sogenannten Verweigerten – jenen Nicht-Bändigern, die weiterhin verärgert über die Dominanz derjenigen sind, die mithilfe beeindruckender Kampfkünste die vier Elemente kontrollieren können.

Handlung und Figurenzeichnung treten zugunsten der zahlreichen Actionsequenzen in den Hintergrund. Der Film ist durchgehend rasant erzählt und scheint vor allem darauf ausgelegt zu sein, neue Zuschauer für die Welt von „Avatar“ zu begeistern, ohne sie mit zu vielen Erklärungen aufzuhalten. Allerdings droht das Tempo lange vor dem Ende ermüdend zu wirken.

Zum Glück überzeugt die Kombination aus 2D- und 3D-Animation durchgehend mit spektakulären Bildern und bestätigt damit die Forderungen vieler Fans nach einer richtigen Kinoauswertung.

Die bekannten Figuren werden größtenteils von neuen Sprechern verkörpert, doch der Film kann mit zahlreichen prominenten Nebenrollen aufwarten. Dazu gehören unter anderem Taika Waititi, Geraldine Viswanathan, Ronny Chieng, Ken Jeong, Freida Pinto und Ke Huy Quan. Ihre oft humorvollen Beiträge bleiben meist stärker in Erinnerung als die Auftritte der eher blassen Hauptfiguren.

Die Drehbuchautoren Tim Hedrick und Christopher Yost sorgen für reichlich Humor – teilweise mit cleveren satirischen Spitzen, häufig jedoch auch mit eher albernen Gags. Zudem werden einige schwerere Themen eingebaut, etwa die korrumpierende Wirkung von Macht.

Letztlich scheint sich der Film jedoch vor allem darauf zu konzentrieren, das Publikum mit seinen visuellen Schauwerten zu beeindrucken. Die Erzählung wirkt gehetzt und hangelt sich von einer Gewaltszene zur nächsten. Die Originalserie wurde für ihre erzählerische Komplexität und ihre Reife gefeiert – Eigenschaften, die in dieser überdrehten, hyperkinetischen Kinoversion nur selten zum Vorschein kommen.

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