„Der Teufel trägt Prada 2“: Stylisch, nostalgisch – aber ohne den Biss des Originals

„Der Teufel trägt Prada 2“ bringt Mode, Nostalgie und Zeitgeist zurück auf die Leinwand. Doch während die Looks überzeugen, zeigt die Ikone Miranda Priestly neue, überraschend weiche Seiten.

Kaum eine Modefilm-Figur hat die Popkultur der letzten Jahrzehnte so geprägt wie Miranda Priestly. Noch heute werden ihre Szenen zitiert, ihre Looks analysiert und ihre One-Liner als Memes durchs Internet geschickt. Der Teufel trägt Prada war damals weit mehr als nur eine Komödie über die Fashionbranche – der Film wurde für viele zum ultimativen 2000er-Modeklassiker.

Meryl Streep in der Rolle der unvergesslichen Miranda Priestly | Foto: Disney

Umso größer waren die Erwartungen an den zweiten Teil. Vor allem bei Millennials, die ohnehin mit einer gewissen Sehnsucht auf die Popkultur der 2000er blicken und jede Rückkehr geliebter Klassiker emotional mitnehmen. Und ja – Der Teufel trägt Prada 2 liefert einiges von dem, was man sich erhofft hat. Der Film kann Mode. Und zwar richtig. Fast jede Figur wirkt, als wäre sie direkt aus einer aktuellen Fashion Week herausgelaufen. Die Looks sind stark, luxuriös und voller kleiner Details, die Modefans sofort erkennen werden.

Stanley Tucci als Nigel und Anne Hathaway als Andy | Foto: Disney

Auch thematisch trifft die Fortsetzung den Zeitgeist erstaunlich gut. Der Druck schwindender Budgets, Anzeigenkunden mit immer mehr Einfluss, Tech-Milliardäre, die sich in Medien- und Verlagshäuser einkaufen, und die Frage, was man heute überhaupt noch sagen oder tun darf, werden mit einem Augenzwinkern aufgegriffen. Besonders gelungen sind dabei die offensichtlichen, aber humorvollen Parallelen zu realen Figuren der Branche. Vor allem Emilys Vorhaben, das Magazin zu übernehmen, erinnert plötzlich verdächtig stark an eine reale Persönlichkeit, um die sich genau solche Gerüchte seit einer Weile ranken – nur mit deutlich besserem Modegeschmack.

Und trotzdem fehlt dem Film etwas Entscheidendes. Oder besser gesagt: Jemand.

Miranda Priestly war im ersten Teil nicht einfach nur eine strenge Chefredakteurin. Sie war eine Machtfigur. Eine Frau, die mit einem Blick Karrieren zerstören konnte. Man hatte Angst vor ihr – und wollte gleichzeitig genauso sein wie sie. Genau diese Mischung aus Einschüchterung, Eleganz und absoluter Kontrolle machte die Figur ikonisch.

Meryl Streep als Miranda Priestly und Stanley Tucci als Nigel | Foto: Disney

Im zweiten Teil wirkt Miranda deutlich weicher. Teilweise fast fragil. In manchen Szenen eher wie eine älter werdende Grande Dame der Branche als die unantastbare Königin der Fashion-Welt. Und genau dort verliert der Film einen großen Teil dessen, was den ersten Teil so besonders gemacht hat: seine Schärfe.

Natürlich gibt es liebevolle Referenzen für Fans. Der berühmte azurblaue Pullover aus dem ersten Film taucht erneut auf – diesmal lässig zerschnitten. Auch die türkisen Gürtel in der Opening-Sequenz sind ein netter Callback. Und dass zahlreiche Celebrities und Designer Cameos haben, inklusive einer herrlich angepflaumten Donatella Versace, sorgt definitiv für einige der unterhaltsameren Momente.

Emily Blunt als Emily in der Teufel trägt Prada 2 | Foto: Disney

Trotzdem erreicht die Fortsetzung nie ganz den ikonischen Status ihres Vorgängers. Vielleicht auch, weil der erste Teil nicht nur ein Modefilm war, sondern ein kultureller Moment. Etwas, das sich nicht einfach reproduzieren lässt.

Und dennoch: Wer den ersten Film geliebt hat, wird auch diesen sehen wollen. Allein wegen der Nostalgie, der Mode und dem Wiedersehen mit diesen Figuren. Auch wenn Teil zwei vermutlich nie denselben Legendenstatus erreichen wird, bleibt man am Ende trotzdem froh, dass es diese Fortsetzung überhaupt gibt.

 

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