Armand „Mondo“ Duplantis – Jump of the Year

Was auf den ersten Blick wie ein spektakulärer PR-Stunt wirkt, entwickelte sich für den Weltrekordhalter zu einer unerwarteten mentalen Prüfung.

15 Weltrekorde, olympisches Gold und unzählige Siege – doch selbst für Armand „Mondo“ Duplantis war diese Herausforderung Neuland. Für eine außergewöhnliche Aktion mit Lidl trat der schwedische Ausnahmeathlet gegen eine 5,50 Meter hohe Wand aus mehr als 3.000 Produkten an. Was auf den ersten Blick wie ein spektakulärer PR-Stunt wirkt, entwickelte sich für den Weltrekordhalter zu einer unerwarteten mentalen Prüfung. Nach dem erfolgreichen Sprung wurden sämtliche Produkte an die schwedische Hilfsorganisation Matmissionen gespendet, die Menschen in schwierigen Lebenslagen unterstützt. Im Interview mit The Hollywoodreporter Germany spricht Duplantis über die mentale Herausforderung hinter dem „Jump of the Year“, den Umgang mit Druck und Aufmerksamkeit sowie die Frage, woran sich die Menschen eines Tages erinnern sollen, wenn sie auf seine Karriere zurückblicken.

THR: Als Lidl mit dieser Idee für den Sprung auf dich zukam, wusstest du sofort, dass du die Herausforderung annehmen willst?
Armand Duplantis: Ja, absolut. Mir war wichtig, dass es eine echte Herausforderung wird. Als wir die Details besprochen haben, hatte ich sofort das Gefühl, dass der Zeitpunkt richtig ist, etwas Außergewöhnliches zu machen. In der Vergangenheit habe ich viele Shootings umgesetzt, bei denen das Springen zwar spektakulär inszeniert wurde, aber letztlich immer das gezeigt hat, was ich ohnehin auf der Bahn mache. Diesmal war es anders. Es war eine Herausforderung außerhalb meines gewohnten Umfelds, und genau das hat mich gereizt.

Behind the Scenes zu Armand „Mondo“ Duplantis – Jump of the Year

THR: Dieser Sprung ist offensichtlich ganz anders als das, was man normalerweise sieht. Was macht diese Herausforderung über eine Produktwand für dich so besonders?
Armand Duplantis: Der Schwierigkeitsgrad war sicherlich das Beeindruckendste daran. Vor allem mental war es eine enorme Herausforderung. So etwas habe ich noch nie zuvor gemacht. Ich habe viele offizielle Weltrekorde aufgestellt, und auch wenn man diesen Sprung vielleicht als einen inoffiziellen Rekord betrachten könnte, bin ich überzeugt, dass eine Leistung wie diese lange Bestand haben wird.
Die größte Herausforderung lag tatsächlich im Kopf. Mein Instinkt hat mir beim Anlauf ständig signalisiert, vorsichtig zu sein oder sogar abzubremsen. Es fühlte sich vollkommen ungewohnt an. Ich musste intensiv daran arbeiten, diese Gedanken auszublenden. Um ehrlich zu sein: Ich hatte Respekt vor dieser Aufgabe und war durchaus nervös.

THR: Oft sehen Menschen nur den perfekten Moment am Ende. Wie viel Vorbereitung und mentale Arbeit steckt wirklich hinter so einem Sprung?
Armand Duplantis: Sehr viel. Dahinter stehen viele Jahre Training, Erfahrung und der Anspruch, konstant auf höchstem Niveau zu performen. Gerade bei dieser Herausforderung habe ich aber noch einmal gemerkt, wie wichtig die mentale Komponente im Stabhochsprung ist.
Körperlich wusste ich, dass ich die Wand überwinden kann. Die eigentliche Hürde war die visuelle Wahrnehmung. Vor mir stand eine Wand, und allein dieses Bild erzeugte eine mentale Barriere. Es zeigt, wie stark unser Kopf unsere Leistung beeinflusst. Ich musste mir regelrecht einreden, dass die Wand nicht existiert, und den Sprung genauso angehen wie jeden anderen. Perfekt ausgeblendet habe ich sie nicht, die Anspannung war immer da. Aber genau das macht diese Erfahrung so besonders.

THR: Heute bist du nicht nur Spitzensportler, sondern auch eine Persönlichkeit mit großer öffentlicher Aufmerksamkeit. Wie hat sich dein Umgang mit Sichtbarkeit im Laufe der Jahre verändert?
Armand Duplantis: Der größte Unterschied ist sicherlich die Aufmerksamkeit. Ich hätte nie erwartet, einmal an diesem Punkt zu stehen. Gleichzeitig habe ich versucht, mir meine Bodenständigkeit zu bewahren.
Ich sehe die öffentliche Aufmerksamkeit überwiegend positiv. Natürlich gibt es Momente, in denen ich Ruhe brauche. Dann verbringe ich Zeit mit meiner Familie oder ziehe mich an ruhigere Orte zurück. In Schweden bin ich deutlich bekannter als in vielen anderen Ländern, und dort kennt mich inzwischen fast jeder. Das ist manchmal ungewohnt, aber man lernt, damit umzugehen. Wenn ich beispielsweise in Stockholm in einen Supermarkt gehe, weiß ich inzwischen ziemlich genau, was mich erwartet.

Behind the Scenes zu Armand „Mondo“ Duplantis – Jump of the Year

THR: Nach dem ersten Versuch: Was geht dir durch den Kopf, bevor du erneut ansetzt?
Armand Duplantis: In solchen Momenten geht es vor allem darum, ruhig zu bleiben und auf die eigenen Fähigkeiten zu vertrauen. Mir war wichtig, niemanden zu enttäuschen. So viele Menschen haben daran gearbeitet, dieses Projekt möglich zu machen. Deshalb wollte ich zeigen, dass sich all die Mühe gelohnt hat – für das Team, aber natürlich auch für mich selbst.
Besonders stolz macht mich, dass wir alles echt umgesetzt haben. Wir hätten technische Tricks, CGI oder KI einsetzen können. Stattdessen war es eine reale Wand, über die ich tatsächlich gesprungen bin, ohne zu wissen, was sich dahinter befindet. Genau das macht die Leistung für mich so besonders.

THR: Wenn Menschen eines Tages auf deine Karriere zurückblicken: Woran sollen sie sich erinnern?
Armand Duplantis: Diese Frage wird mir oft gestellt, und ehrlich gesagt habe ich darauf keine perfekte Antwort. Ich hoffe einfach, dass ich irgendwann zurückblicken kann und sagen darf, dass ich meinen eigenen Weg gegangen bin und mein Leben so gelebt habe, wie ich es wollte.
Ich wurde mit guten Werten erzogen. Deshalb ist es mir wichtig, ein guter Mensch, ein guter Partner und ein verlässlicher Freund zu sein. Gleichzeitig möchte ich im Sport alles aus meinen Möglichkeiten herausholen.
Wenn ich etwas ausprobieren möchte – sei es Musik oder etwas völlig Neues –, dann möchte ich keine Angst davor haben. Ich möchte die Dinge tun, die mich erfüllen und meinem Leben Bedeutung geben. Das ist letztlich das, was zählt.

Armand „Mondo“ Duplantis – Jump of the Year

THR: Wie fühlt es sich an, diese Herausforderung nun geschafft zu haben?
Armand Duplantis: Es fühlt sich großartig an. Mein erster Versuch liegt inzwischen mehrere Stunden zurück, und solche langen Pausen bin ich normalerweise nicht gewohnt. Ich bin seit Stunden hier, ziemlich erschöpft und habe kaum etwas gegessen, weil ich zwischen den Sprüngen konzentriert und bereit bleiben musste.
Am Ende überwiegt aber vor allem ein Gefühl: Stolz. Ich bin stolz darauf, dass wir es geschafft haben, und stolz darauf, mich dieser Herausforderung gestellt zu haben.

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