Zwischen Wandel, Haltung und neuen Möglichkeiten: Ein Round Table über die Zukunft der deutschen Filmbranche

Schon zu Beginn wurde deutlich, wie eng die Wege in der Branche miteinander verwoben sind. Diese Vertrautheit prägte auch den Ton des Gesprächs: offen, reflektiert und frei von Konkurrenzdenken.

Im Maison Papillon in Berlin trafen sich Gizem Emre, Florence Kasumba, Peri Baumeister, Leonard Kunz und Edin Hasanović zum Round Table von The Hollywood Reporter Germany, moderiert von Herausgeberin und Chefredakteurin Grace Maier. Was als Gespräch unter Kollegen begann, entwickelte sich schnell zu einer ehrlichen Bestandsaufnahme einer Branche im Wandel – und zu einer Diskussion darüber, wie sich deutsches Schauspiel, internationale Produktionen und neue Plattformen gegenseitig beeinflussen.

Schon zu Beginn wurde deutlich, wie eng die Wege in der Branche miteinander verwoben sind. Man kennt sich, man arbeitet miteinander, man begegnet sich immer wieder – manchmal zufällig, manchmal über Jahre hinweg. Diese Vertrautheit prägte auch den Ton des Gesprächs: offen, reflektiert und frei von Konkurrenzdenken.

Florence Kasumba | Foto: Benjamin Becker

Ein zentrales Thema des Abends war die wachsende Bedeutung der Streamingdienste. Für viele der Beteiligten haben Netflix, Amazon und Co. nicht nur neue Formate eröffnet, sondern auch neue Denkweisen. Produktionen, die von Anfang an für ein internationales Publikum gedacht sind, verändern Castingprozesse, Erzählweisen und Rollenbilder. Florence Kasumba beschrieb genau diesen Moment als Befreiung: Serien, bei denen man nicht mehr erkennt, aus welchem Land sie stammen, weil die Geschichte im Vordergrund steht – nicht Herkunft, Aussehen oder Schubladen.

Edin Hasanovic | Foto: Benjamin Becker

Auch Edin Hasanović betonte, wie sehr sich der Blick auf Besetzungen verändert hat. Der Fokus liege zunehmend auf der Figur selbst und weniger auf dem Hintergrund der Schauspieler. Eine Entwicklung, die sich für viele wie ein längst überfälliger Schritt anfühlt – hin zu einer realistischeren, vielfältigeren Darstellung von Gesellschaft.

Leonard Kunz | Foto: Benjamin Becker

Leonard Kunz sprach über etwas, das in der Branche oft zu kurz kommt: Wertschätzung. Für ihn beginnt gute Arbeit am Set nicht bei Budgets oder Namen, sondern bei Stimmung, Respekt und der gemeinsamen Freude daran, Geschichten zu erzählen. Dieses Verständnis zieht sich durch das gesamte Gespräch – genauso wie der Wunsch, das Publikum nicht zu unterschätzen. Subtilität, Zwischentöne und Ambivalenz seien oft stärker als laute Erklärungen, so der Tenor.

Peri Baumeister | Foto: Benjamin Becker

Peri Baumeister lenkte den Blick auf Figuren, die sich nicht eindeutig einordnen lassen. Sie sprach über ihre Faszination für Rollen, die körperliche, emotionale oder moralische Extreme verlangen – und für Filme, die zwischen Unterhaltung und Arthouse liegen. Die „Perlen dazwischen“, wie sie es nannte, seien oft die Werke, die am längsten nachhallen, auch wenn sie im System schwer zu kategorisieren sind.

Der internationale Vergleich spielte immer wieder eine Rolle, ohne dass er als Maßstab verstanden wurde. Während Leonard Kunz von seinen Erfahrungen auf großen US-Sets erzählte, betonten andere die Stärke lokaler Produktionen und die Notwendigkeit, eigene Handschriften zu entwickeln. Vielfalt, Ausbildung, Nachwuchs und Mut zu neuen Wegen wurden als Schlüssel für die Zukunft benannt.

Ein weiterer Aspekt war Flexibilität: Sprachen, neue Fähigkeiten, körperliche Herausforderungen. Viele der Schauspieler berichteten davon, wie sehr Rollen sie wachsen lassen – nicht nur beruflich, sondern auch persönlich. Gerade diese Offenheit für Veränderung scheint eine der größten Stärken der aktuellen Generation zu sein.

Zum Ende des Gesprächs wurde auch die Rolle von Social Media angesprochen. Ein Werkzeug, ja – aber kein Ersatz für gute Arbeit. Eigenverantwortung, Haltung und Qualität bleiben entscheidend, darin waren sich alle einig.

Was bleibt, ist das Bild einer Branche, die sich neu sortiert – zwischen globalen Plattformen, lokalen Geschichten und einer Generation von Schauspielern, die bereit ist, Verantwortung für das eigene Erzählen zu übernehmen. Der Round Table machte deutlich: Deutsches Kino und deutsche Serien stehen nicht am Rand des internationalen Geschehens, sondern mitten darin – wenn man ihnen den Raum gibt, den sie verdienen.

Gizem Emre | Foto: Benjamin Becker

 

Teamcredits:

Video: Marco Naczk, Glam: Caroline Torbahn & Vin mit Produkten von YSL Beauty, Styling: Loizos Sofokleous, Kamera: Benjamin Becker, Location: Papillon Berlin, Assistenten: Yvonne Maier, Lara Covic

 

Anmerkung der Redaktion:
Dieses Gespräch wurde als Videopodcast aufgenommen. Da sich einige der Beteiligten im Nachhinein gegen eine Veröffentlichung des Videos entschieden haben, veröffentlichen wir den Round Table in dieser redaktionellen Form.

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