Dolly Parton, ein Hollywood-Juwel, das mit ihrer unverwechselbaren Art die Leinwand zum Leuchten brachte

Der Country-Superstar war in ihrer überschaubaren, aber unvergesslichen Filmkarriere ein echtes Naturtalent – allen voran in 9 to 5, The Best Little Whorehouse in Texas und Magnolien aus Stahl.

Als Jane Fonda die turbulente Arbeitsplatzkomödie 9 to 5 entwickelte, die von der gleichnamigen Frauenrechtsorganisation inspiriert war, nahm das Projekt zunächst einen ganz anderen Weg. Ursprünglich als ernstes Drama geplant, wurde daraus schließlich eine Komödie – mit Colin Higgins als Regisseur und Drehbuchautor, der gemeinsam mit Patricia Resnick am Skript arbeitete.

Nachdem Lily Tomlin als scharfzüngige Verbündete im Sekretariat besetzt worden war, wollten Fonda und Produzent Bruce Gilbert den Film einem möglichst breiten Publikum zugänglich machen. Sie suchten deshalb nach einer dritten Hauptfigur, die über das urbane, liberale Publikum hinaus auch konservativere und insbesondere Zuschauer im Süden der USA ansprechen konnte. Aus dieser bewusst auf das Publikum zugeschnittenen Strategie wurde schließlich Dolly Parton zum Filmstar.

Als Doralee Rhodes, die glücklich verheiratete Sekretärin des von Dabney Coleman gespielten, lüsternen Vizepräsidenten eines Unternehmens, musste Parton sich ständig gegen seine unerwünschten Annäherungsversuche zur Wehr setzen – und erwies sich dafür als perfekte Besetzung. Ihre Ausstrahlung, ihre überschäumende Energie, ihr bodenständiger Tonfall und ihr angeborenes komödiantisches Timing verliehen dem Film eine ganz eigene Dynamik. Das galt sowohl für ihre Fantasien darüber, den Chef zu fesseln und auf einem Spieß zu braten, als auch für den Moment, in dem sie diese Fantasie tatsächlich in die Tat umsetzt – mit der Souveränität einer erfahrenen Rodeo-Reiterin.

Der Film wurde zu einem riesigen Erfolg und spielte mehr als 103 Millionen Dollar ein – zu einer Zeit, in der ein von Frauen getragener Blockbuster mit einer emanzipatorischen Botschaft kaum vorstellbar war. Jede der überwiegend weiblich besetzten Komödien, die in den folgenden Jahrzehnten zu festen Größen der Popkultur wurden – von Der Club der Teufelinnen und Sister Act über Der Teufel trägt Prada bis zu Brautalarm – verdankt 9 to 5 einiges.

Auch der bis heute eingängige Country-Pop-Titelsong, den Parton für den Film schrieb und selbst aufnahm, hinterließ seine Spuren. Er erreichte Platz eins der Country-, Hot-100- und Adult-Contemporary-Charts von Billboard. Parton erzählte in Interviews oft, dass sie den rhythmischen Klang der tippenden Schreibmaschine durch das Aneinanderschlagen ihrer langen Acrylnägel nachahmte.

Der Tod eines Weltstars ist immer traurig. Doch der Verlust Dolly Partons im Alter von 80 Jahren ist für viele von uns ein besonders schmerzhafter Schlag. Für schwule Männer war sie ein Fixstern, ein Symbol für Offenheit und Inklusion in einer Welt, die noch immer von Intoleranz geprägt ist. Ihr Freizeitpark Dollywood in den Great Smoky Mountains war ein Pilgerziel auf der Landkarte des queeren Tourismus. Würden Schwule das Weiße Haus regieren, wäre ihr Geburtstag vermutlich ein Nationalfeiertag.

Parton machte sich oft selbst über ihr fast schon comichaftes Aussehen lustig – über ihre Brüste, die großen blonden Perücken, die mit Schmuck besetzten Outfits und die Schönheitsoperationen. Und doch wirkte sie immer vollkommen echt. Ich habe sie nur einmal live gesehen, 2005 bei einem Konzert im Rahmen ihrer Vintage Tour in der Radio City Music Hall. Um mich herum eine ganze Schar schwuler Männer, die für den Anlass ihre Westernkleidung aus Madonnas „Don’t Tell Me“-Ära wieder hervorgeholt hatten. Als aufwendige Bühnendekoration bei ihrer Eröffnungsnummer nicht wie geplant aus dem Schnürboden herabgelassen werden konnte, scherzte Parton, ein kleines Country-Mädchen aus East Tennessee hätte wohl nie versuchen sollen, etwas derart Aufwendiges auf die Beine zu stellen.

Dieser ikonische Look und ihre überlebensgroße Persönlichkeit waren untrennbar mit ihrer einzigartigen Leinwandpräsenz verbunden, die sie in einer Handvoll geliebter Filme unter Beweis stellte. Sie war nie eine Schauspielerin mit großer darstellerischer Bandbreite – aber das musste sie auch nicht sein. Ihre Wärme, ihr Humor und diese altmodische Herzensgüte, die sie in all ihren Lebensbereichen ausstrahlte, machten sie auf der Leinwand unwiderstehlich. Schon bei ihrem ersten Auftritt wusste man genau, was für eine Figur vor einem stand. Und fast immer spiegelte diese Figur die Persönlichkeit wider, die Parton auch im echten Leben verkörperte.

In The Best Little Whorehouse in Texas spielte sie an der Seite von Burt Reynolds die Bordellchefin Miss Mona Stangley. Sie ließ selbst die Leitung eines Freudenhauses – oder, wie sie es in einem ihrer Songs nennt, eines „kleinen, verdammten Country-Ladens“ – beinahe etwas Bodenständiges und Herzliches erscheinen und kümmerte sich um ihre „Mädchen“, als wären es ihre eigenen Kinder. Anfang der 80er-Jahre The Best Little Whorehouse in Texas in einer Schwulenbar in Houston noch einmal zu sehen, war ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde. Vor lauter Begeisterung flogen ständig Stetsons durch die Luft.

In Magnolien aus Stahl, dem tränenreichen Ensemblefilm über die Kraft weiblicher Freundschaft in schweren Zeiten, spielte Parton die großhaarige, warmherzige Besitzerin eines kleinen Schönheitssalons in Louisiana, Truvy Jones. Schon die Namen ihrer Figuren waren göttlich. Ihr Salon war Treffpunkt, Klatschbörse und Ort für freundschaftliche Gespräche – und zugleich ein Rückzugsort für die Stammkundinnen, die hier zumindest für eine Weile ihren oft nervigen Ehemännern und Söhnen entkommen konnten.

Parton neben Schauspielgrößen wie Sally Field, Olympia Dukakis und Shirley MacLaine zu sehen, war ein Vergnügen. Genauso wie ihre Figur in einer liebevollen Ehe mit dem coolsten – okay, und auch heißesten – Cowboy der Neuzeit: Sam Shepard.

Wohl niemand würde ernsthaft versuchen, den Sylvester-Stallone-Film Rhinestone von 1984 zu verteidigen. Ich frage mich sogar, ob überhaupt noch jemand lebt, der ihn bis zum Ende durchgestanden hat. Aber Parton konnte selbst aus einem schlechten Film noch etwas herausholen und brachte darin gleich zwei Country-Hits unter die Top Ten.

Noch besser kamen ihre Talente in der kitschigen, aber charmanten Komödie Straight Talk zur Geltung. Als Shirlee Kenyon, eine Frau aus dem Süden, die in Chicago einen Neuanfang wagt, wird sie eher zufällig zur Moderatorin einer Call-in-Radiosendung, in der sie Lebensratschläge gibt. Auch in der Guilty-Pleasure-Komödie Joyful Noise brachte Parton ihre typische Wärme und ihren Witz ein. Als temperamentvolle Witwe G.G. Sparrow kämpft sie darin mit Queen Latifahs Vi Rose Hill um die Kontrolle über den Kirchenchor ihrer Kleinstadt in Georgia. Als Vi Rose sie einmal in den Schwitzkasten nimmt, kreischt G.G.: „Au! Du ruinierst mir die Haare!“

Abgesehen von ihren zahlreichen Gastauftritten und beliebten TV-Filmen war Partons Filmografie gemessen an üblichen Maßstäben eher überschaubar. Doch sie füllte jede Rolle mit so viel Energie, Lebensfreude, Mitgefühl und Charme, dass man darin immer auch sie selbst wiedererkannte. Mit ihrem Tod ist die Welt ein ganzes Stück ärmer geworden.

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