Studio Babelsberg blickt nach schwierigen Jahren wieder optimistischer in die Zukunft. Auf der ordentlichen Hauptversammlung am 9. September hat das Traditionsstudio nicht nur seine Geschäftszahlen für 2025 präsentiert, sondern auch einen Ausblick auf die kommenden Monate gegeben. Internationale Großproduktionen, Streaming-Serien und eine neue Akquisitionsstrategie sorgen für eine deutlich bessere Auslastung – gleichzeitig warnt das Unternehmen davor, die Filmförderung in Deutschland wieder zurückzufahren.
Die ordentliche Hauptversammlung der Studio Babelsberg AG hat am Mittwoch sämtliche zur Abstimmung stehenden Tagesordnungspunkte mit großer Mehrheit angenommen. Dazu gehörten die Entlastung der Mitglieder von Vorstand und Aufsichtsrat für das Geschäftsjahr 2025 sowie die Bestellung der Deloitte GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Berlin zum Abschlussprüfer für 2026. Die Hauptversammlung fand als Präsenzveranstaltung auf dem Studiogelände in Potsdam-Babelsberg statt.
Die Abstimmungsergebnisse fielen eindeutig aus: Alleinvorstand Jörg Bachmaier wurde mit 99,77 Prozent der gültigen Stimmen entlastet. Bei den weiteren ehemaligen Vorstandsmitgliedern lag die Zustimmung jeweils bei 97,94 Prozent. Die Entlastung des Aufsichtsrats erhielt 98,01 Prozent Zustimmung, die Bestellung des Abschlussprüfers 99,78 Prozent.
Interessanter als die formalen Beschlüsse war jedoch der Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung des traditionsreichen Filmstandorts.
Umsatz steigt auf 68,1 Millionen Euro
Nach mehreren schwierigen Jahren konnte Studio Babelsberg seine operative Entwicklung 2025 verbessern. Der Konzernumsatz stieg um 11,6 Millionen Euro von 56,5 Millionen auf 68,1 Millionen Euro. Beim EBITDA gelang die Rückkehr in den positiven Bereich: Nach minus 1,224 Millionen Euro im Vorjahr lag das operative Ergebnis 2025 bei 33.000 Euro.
Unter dem Strich schrieb der Konzern allerdings weiterhin rote Zahlen. Das Konzernergebnis nach Steuern belief sich auf minus 321.000 Euro.
Der Geschäftsverlauf war dabei sehr unterschiedlich. Das erste Halbjahr blieb noch von einer schwachen Auslastung, dem angespannten internationalen Produktionsmarkt und den zeitversetzten Folgen der US-Gewerkschaftsstreiks von 2023 geprägt. Zahlreiche größere Projekte wurden verschoben. Erst in der zweiten Jahreshälfte setzte eine deutliche Belebung ein.
„Nach mehreren herausfordernden Jahren ist Studio Babelsberg zurück auf Wachstumskurs: international gefragt, operativ deutlich stärker und mit einer guten Produktionspipeline“, erklärte Vorstand Jörg Bachmaier anlässlich der Hauptversammlung. Für den weiteren Verlauf des Geschäftsjahres 2026 zeigte er sich optimistisch – allerdings unter einer entscheidenden Voraussetzung: Die Filmförderbedingungen in Deutschland müssten wettbewerbsfähig bleiben.
„Die Tribute von Panem“ wird zum wichtigen Wachstumstreiber
Einen erheblichen Anteil an der positiven Entwicklung hatte Die Tribute von Panem: Sunrise on the Reaping. Die Produktion sorgte insbesondere in der zweiten Jahreshälfte für zusätzliche Dynamik und war laut Geschäftsbericht wesentlich für den Umsatzanstieg verantwortlich. Studio Babelsberg war sowohl als Koproduktionspartner als auch als Produktionsdienstleister beteiligt.
Für Babelsberg ist es bereits der vierte Film aus dem Panem-Franchise, der in den Studios und an deutschen Drehorten umgesetzt wurde. Für Sunrise on the Reaping entstanden unter anderem Kulissen auf dem Studiogelände sowie an Berliner Originalschauplätzen wie dem Olympiastadion, dem ICC und dem ehemaligen Flughafen Tempelhof. Der Film mit Joseph Zada, McKenna Grace, Glenn Close, Ralph Fiennes, Maya Hawke und Jesse Plemons soll im November 2026 in die Kinos kommen.
Parallel dazu setzte Studio Babelsberg bewusst stärker auf einen Mix aus internationalen Großproduktionen sowie deutschen und europäischen Projekten. Zu den Produktionen des Jahres 2025 gehörten David Wnendts Science-Fiction-Film Athos 2643, Volker Schlöndorffs Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte sowie die fünfte und zugleich letzte Staffel von Babylon Berlin.
Gerade diese breitere Akquisitionsstrategie soll verhindern, dass die Auslastung zu stark von einzelnen Hollywood-Produktionen abhängig ist. Die durchschnittliche Studio- und Atelierauslastung stieg 2025 von 31 auf 37 Prozent.
Apple TV und Netflix sorgen für starke Auslastung
Zum Jahresende 2025 gelang Studio Babelsberg zudem die Akquise mehrerer internationaler High-End-Serien für 2026. Dazu gehören Apple TVs Berlin Noir sowie Netflix‘ The Boys from Brazil.
Bereits die Vorbereitung mehrerer großer Streaming-Produktionen sorgte zum Jahreswechsel für eine hohe Auslastung der Ateliers und Gewerke. Die Dreharbeiten zu Berlin Noir begannen im Januar 2026 und liefen bis ins zweite Quartal.
Der Effekt schlägt sich bereits in den Zahlen des laufenden Jahres nieder. Laut Geschäftsbericht verlief das erste Halbjahr 2026 besser als erwartet. Insbesondere das erste Quartal übertraf die Prognose beim EBITDA um 73 Prozent beziehungsweise rund 1,4 Millionen Euro. Als wesentliche Gründe nennt Studio Babelsberg die hohe Studioauslastung und umfangreiche Kulissenbauaufträge für drei große Produktionen von Apple TV und Netflix.
Für das Gesamtjahr 2026 rechnet der Konzern, sofern alle prognostizierten Aufträge umgesetzt werden, mit einem EBITDA von rund drei Millionen Euro. Für die Studio- und Ateliervermietung werden Umsätze von 7,5 Millionen Euro erwartet, nach 4,2 Millionen Euro im Jahr 2025. Beim Art Department Studio Babelsberg soll der Umsatz im Kulissen- und Dekorationsbau von 8,4 Millionen auf rund 12,4 Millionen Euro steigen.
Auch die Pipeline reicht offenbar bereits über das laufende Jahr hinaus: Für mindestens eine weitere Produktion erwartet Studio Babelsberg eine Auslastung bis weit in das Jahr 2027.
Filmförderung wird zum entscheidenden Faktor
Die positive Entwicklung hat aus Sicht des Unternehmens allerdings einen entscheidenden Unsicherheitsfaktor: die filmpolitischen Rahmenbedingungen in Deutschland.
Studio Babelsberg steht nicht nur mit anderen deutschen Produktionsstandorten im Wettbewerb, sondern vor allem mit Ländern wie Großbritannien, Italien, Spanien, Tschechien und Ungarn sowie mit Standorten in den USA, Kanada, Australien und Neuseeland. Bei der Entscheidung über große internationale Produktionen spielen staatliche Anreiz- und Fördersysteme mittlerweile eine wesentliche Rolle.
Die Anhebung der Förderquote von DFFF und GMPF auf 30 Prozent der anerkannten deutschen Herstellungskosten sowie die Erhöhung der Bundesmittel wurden von Studio Babelsberg deshalb ausdrücklich begrüßt. Das Unternehmen sieht darin einen wichtigen Grund dafür, dass das Vertrauen internationaler Produzenten in den Standort zuletzt wieder gestiegen ist.
Umso kritischer bewertet das Management mögliche erneute Kürzungen. Diese könnten die gerade gewonnene Planungssicherheit gefährden und die Verlässlichkeit Deutschlands als Produktionsstandort infrage stellen.
Damit fällt die Botschaft der Hauptversammlung deutlich aus: Studio Babelsberg sieht die 2025 eingeleitete operative Trendwende 2026 weiter an Dynamik gewinnen. Ob daraus ein nachhaltiges Comeback des Standorts wird, hängt nicht allein von Hollywood, Netflix oder Apple ab. Entscheidend wird auch sein, ob Deutschland im internationalen Wettkampf um große Film- und Serienproduktionen konkurrenzfähige Bedingungen bieten kann.

