George Clooney wurde bei der Eröffnung der Filmfestspiele von Venedig mit dem Goldenen Löwen für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Doch der Hollywoodstar nutzte den emotionalen Moment nicht nur für einen Rückblick auf seine 45-jährige Karriere. In seiner Rede sprach Clooney über die verbindende Kraft des Kinos – und darüber, warum Journalisten, Künstler und Geschichtenerzähler gerade in politisch angespannten Zeiten eine besondere Bedeutung haben.
Überreicht wurde Clooney die Auszeichnung von seiner langjährigen Freundin und Schauspielkollegin Laura Dern. Die beiden kennen sich seit mehr als 40 Jahren und standen bereits zu Beginn ihrer Karrieren für Grizzly II: Revengegemeinsam vor der Kamera. Dern würdigte Clooney nicht nur als außergewöhnlichen Schauspieler, sondern vor allem als Menschen mit Integrität, der sich für andere einsetze. Persönliche Botschaften von Weggefährten wie Brad Pitt, Adam Sandler, Steven Soderbergh, Alexander Payne und Noah Baumbach machten die Ehrung zu einem sehr persönlichen Rückblick auf Clooneys Karriere.

Nach langen Standing Ovations begann Clooney seine Dankesrede zunächst gewohnt humorvoll. Bei einem Preis für das Lebenswerk kämen einem zwei Dinge in den Sinn: Zum einen, was für eine unglaubliche Ehre es sei – und zum anderen die Frage, ob die Verantwortlichen vielleicht etwas wüssten, was man selbst noch nicht wisse.
Anschließend wurde der Schauspieler und Regisseur nachdenklicher. Rückblickend wirke eine 45-jährige Karriere vielleicht wie das Ergebnis eines großen Plans, erklärte Clooney. Tatsächlich habe es diesen jedoch nie gegeben. Zu Beginn sei es vor allem darum gegangen, seine Miete bezahlen zu können und nicht nach Kentucky zurückkehren zu müssen, wo er früher Tabak geschnitten hatte.
Seinen Erfolg beschrieb Clooney vielmehr als eine Reihe glücklicher Zufälle und Begegnungen. Jemand habe ihm seinen ersten Job gegeben, jemand anderes den zweiten. Regisseure hätten etwas in ihm gesehen, das er selbst noch nicht erkannt hatte, Autoren hätten ihm bessere Dialoge geschrieben, als er verdient habe, und Kollegen hätten ihm die Möglichkeit gegeben, von ihnen zu lernen. Die wichtigste Erkenntnis daraus: Niemand schaffe es vollkommen allein an die Spitze.
„Geschichten sind immer gefährlich für Menschen, die mit Angst arbeiten“
Besonders eindringlich wurde Clooneys Rede, als er über die internationale Kraft des Kinos sprach. Durch Festivals wie Venedig und Filme aus aller Welt habe er gelernt, wie ähnlich Menschen trotz unterschiedlicher Sprachen und Kulturen seien. Menschen lachten und weinten nicht in unterschiedlichen Sprachen, Eltern machten sich dieselben Sorgen, Kinder hätten dieselben Träume und auch Liebe sehe überall erstaunlich ähnlich aus.
Umso kritischer blickte Clooney auf eine Zeit, in der mächtige und einflussreiche Menschen versuchten, anderen einzureden, sie müssten sich voreinander fürchten. Genau hier komme Kunst eine besondere Rolle zu.
„Die ersten Menschen, die Autoritäre zum Schweigen bringen wollen, sind nicht Politiker“, sagte Clooney. Es seien Journalisten, die Fragen stellen, Künstler, die sich einfachen Antworten verweigern, sowie Filmemacher, Autoren, Schauspieler und Musiker, die Menschen dazu bringen, Empathie für jemanden zu empfinden, den sie nie getroffen haben.
Seine zentrale Botschaft: „Geschichten sind immer gefährlich für Menschen, die mit Angst arbeiten.“ Wer Angst vor Büchern, Musik und Geschichten habe, gehöre rückblickend nie zu den Helden der Geschichte.
Filme könnten zwar keine Kriege beenden, keine Inflation senken oder Wahlen reparieren, so Clooney weiter. Aber sie könnten etwas anderes leisten: uns daran erinnern, dass ein Fremder niemals nur ein Fremder sei – sondern möglicherweise der Held in der Geschichte eines anderen Menschen. Solange Menschen noch gemeinsam in einem dunklen Kinosaal sitzen und mit Personen mitfühlen könnten, denen sie nie begegnet seien, gebe es Grund zur Hoffnung.
Eine besondere Verbindung zu Venedig
Die Auszeichnung hat für Clooney auch aufgrund seiner langen Geschichte mit den Filmfestspielen eine besondere Bedeutung. 1998 kam er mit Steven Soderberghs Out of Sight erstmals an den Lido. In den folgenden Jahrzehnten feierten zahlreiche seiner wichtigsten Filme in Venedig Premiere, darunter Michael Clayton, Burn After Reading und Gravity. Auch seine Karriere als Regisseur ist eng mit dem Festival verbunden: Good Night, and Good Luck lief im Wettbewerb, gewann den Preis für das beste Drehbuch und erhielt später sechs Oscar-Nominierungen.
Auch privat spielt Venedig eine wichtige Rolle in Clooneys Leben. 2014 feierten er und Amal Clooney hier ihre Hochzeit. Bei der Verleihung des Goldenen Löwen saß seine Frau erneut an seiner Seite – und zeigte sich während der emotionalen Ehrung ebenso bewegt wie Clooney selbst.
Der Abend endete schließlich dort, wo Clooneys Rede begonnen hatte: beim Kino. Im Anschluss an seine Ehrung feierte Danny Boyles Ink mit Jack O’Connell, Guy Pearce und Claire Foy seine Weltpremiere und eröffnete damit offiziell das diesjährige Festivalprogramm.
Text von BY PATRICK BRZESKI CHRIS GARDNER

