Sollte Disney aus dem Streaming-Geschäft aussteigen?

Der Wells-Fargo-Analyst Steven Cahall argumentiert in einer neuen Research-Notiz, dass eine stärkere Konzentration auf geistiges Eigentum (IP) und Erlebnisangebote den Aktienkurs von Disney um 40 Prozent steigern könnte.

Die The Walt Disney Company ist trotz ihrer unbestrittenen Führungsposition unter den traditionellen Unterhaltungskonzernen – insbesondere in einer Zeit, in der scheinbar alle anderen Unternehmen entweder Käufer oder Übernahmekandidaten sind – mit einem Aktienkurs konfrontiert, der in den vergangenen fünf Jahren hartnäckig kaum vom Fleck gekommen ist.

Das gilt trotz der Tatsache, dass Disneys Stellung im Streaming-Krieg offenbar gesichert erscheint: Paramount+, HBO Max, Peacock und andere Anbieter kämpfen um Marktanteile, während die meisten Beobachter der Ansicht sind, dass derzeit nur Netflix und Disney über die notwendige Größe verfügen, um im Abonnementgeschäft langfristig konkurrenzfähig zu sein.

Doch ein Wall-Street-Analyst von Wells Fargo, Steven Cahall, stellt in einer am Sonntag veröffentlichten Research-Notiz eine provokante Frage: Was wäre, wenn der Schlüssel zur Entfaltung von Disneys Aktienpotenzial darin läge, das Streaming-Geschäft aufzugeben?

Cahall meint, dass Disney den Aktienwert um 40 Prozent steigern könnte, wenn das Unternehmen „zu seinem alten Geschäftsmodell der Produktion statt der Distribution“ zurückkehren würde. Dadurch könnte sich das Management stärker darauf konzentrieren, geistiges Eigentum zu entwickeln und zu verwalten sowie das äußerst lukrative Geschäft mit Erlebnissen auszubauen.

Der Wells-Fargo-Analyst argumentiert, dass Disney – wenn Sony durch sein Pay-1-Filmabkommen mit Netflix jährlich rund eine Milliarde US-Dollar erhalte – potenziell auf nahezu vier Milliarden US-Dollar kommen könnte. Werden zusätzlich die Einnahmen aus dem Pay-2-Fenster sowie Disneys beispielloses Film- und Serienarchiv berücksichtigt, könnten die Lizenzerlöse auf bis zu 15 Milliarden US-Dollar steigen.

„Wir glauben nicht, dass Kinokassen-Erfolge, das Erlebnisgeschäft oder der Markenwert darunter leiden würden, wenn sich die Bibliothek auf einer konkurrierenden globalen Streaming-Plattform befände“, schreibt Cahall. „Investoren würden von einem risikoärmeren Geschäftsmodell profitieren, bei dem sich DIS [Disney] ausschließlich auf Inhalte statt auf Distribution konzentriert. Josh D’Amaro könnte sämtliche Optionen prüfen.“

Der Bericht sorgte am Montag für Aufsehen: Die Disney-Aktie stieg im frühen Handel um 1,75 Prozent.

Natürlich wäre ein solcher Schritt eine drastische Kehrtwende in der Unternehmensstrategie – insbesondere angesichts des vergleichsweise größeren Erfolgs von Disney gegenüber seinen traditionellen Konkurrenten. Doch mit Technologieriesen wie Amazon, Google und Netflix, die ihre Positionen in diesem Bereich gefestigt haben (auch wenn Netflix zuletzt zunehmend unter Druck geraten könnte), sowie einer möglichen Fusion von Paramount Global und Warner Bros. Discovery am Horizont könnte der Wettbewerbsdruck weiter steigen.

Das wiederum könnte dazu führen, dass Disneys Inhalte als lizenzierbares Premiumprodukt wertvoller wären als als exklusives Angebot eines eigenen Streaming-Dienstes.

Thr Newsletter

Exklusive News, Interviews und Lifestyle-Stories aus Film, Serien, Musik und Kultur – direkt von The Hollywood Reporter Germany in dein Postfach

Mit Ihrer Anmeldung erhalten Sie unseren kostenlosen Newsletter mit Informationen und neuen Beiträgen aus unserem Online-Magazin. Sie können den Newsletter jederzeit über den Link in der E-Mail abbestellen. Hinweise zur Verarbeitung Ihrer Daten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

The Definitive Voice of Entertainment News | The Up & Coming Edition

Die deutsche Ausgabe des weltweit führenden Entertainment-Magazins – Issue 04 - als Printmagazin und als Digitalversion hier erhältlich.

Hier bestellen Subscribe now

Thr Newsletter

Exklusive News, Interviews und Lifestyle-Stories aus Film, Serien, Musik und Kultur – direkt von The Hollywood Reporter Germany in dein Postfach

Mit Ihrer Anmeldung erhalten Sie unseren kostenlosen Newsletter mit Informationen und neuen Beiträgen aus unserem Online-Magazin. Sie können den Newsletter jederzeit über den Link in der E-Mail abbestellen. Hinweise zur Verarbeitung Ihrer Daten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Most Popular